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Proteste in Tunesien - Foto: Habib M’henni - GNU-FDL - Wikimedia
Schlüsselwort Freiheit: Revolution in Tunesien

Jasminrevolution - Umsturz in Tunesien



Zine El Abidine Ben Ali:
Zine El Abidine Ben Ali, Ex-President of Tunisia - Fotoquelle: U.S. federal government - Public Domain

Unruhen in Tunesien - Quelle: fotolia
Februar 2010. Seit dem politischen Umsturz im Maghrebstaat und Urlauberparadies Tunesien hat sich die politische Landschaft drastisch verändert, Reformen und Demokratisierung stehen vor der Tür, tausende Tunesier sind dennoch Richtung Italien geflüchtet.

Angefangen hat alles im malerischen Künstlerdorf Sidi Bou Said etwa 20 km nordöstlich der Hauptstadt Tunis: Der Student Mohamed Bouazizi verbrennt sich in aller Öffentlichkeit auf dem Marktplatz, um gegen das Regime des Langzeitpräsidenten Ben Alis zu protestieren. Auslöser für die Verzweiflungstat des 26-Jähringen, der sich um seine Familie zu ernähren als Gemüsehändler durchschlagen musste, war die ungleiche ökonomische Situation des Landes, dessen Wirtschaftswachstum nicht bei den ärmeren Schichten ankam. Auch die erstarrten, von Korruption auf allen Ebenen durchzogenen Regierungsstrukturen des mittlerweile im Exil in Saudi Arabien angekommenen Ex-Präsidenten und seiner Gattin Leila Trabelsi (deren Familienklan weite Teile des Landes wirtschaftlich und politisch kontrollierte) haben die Massenproteste ausgelöst. Zu einer gerechteren Aufteilung der Reichtümer des generell touristenfreundlichen Landes war es aber vor allem in den letzten Jahren nicht gekommen. Frustration und Verzweiflung bei den unzähligen arbeitslosen jungen Akademikern gipfelten schließlich in die ab Dezember 2010 beginnenden Proteste.

Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben, die Polizei ging anfangs brutal gegen Demonstranten vor, am Abend des 14. Jänner 2011 setzte sich der Präsident schließlich ins Exil ab. Die Einreise nach Paris wurde ihm verwehrt, über Dubai erreichte er Saudi Arabien, wo er sich nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus befindet. Kritisiert wird im Land auch die Haltung der EU und andere Staaten, die in Ben Ali einen stabilitätsstiftenden und vor allem Business-freundlichen Regenten der Region sah und ihn in die Reihe ihrer Partner integriert hatten: Auf Kosten der tunesischen Bevölkerung, die nach 24 Jahren Alleinherrschaft derselben Person jetzt auf Demokratisierung, Rechtsstaatlichkeit und vor allem wirtschaftliche und soziale Reformen hofft.

Kopf der Übergangsregierung ist Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi, die er am 17. Jänner 2011 nach wochenlangen Protesten ausrief. Die Zukunft des Landes ist ungewiss, doch wird es den meisten Prognosen nach keinen Zuwachs an stark religiösen Gruppen geben. Diese haben in der durchwegs gut ausgebildeten und vorwiegend zweisprachigen Bevölkerung (Arabisch und Französisch) kaum Rückhalt. Dass tausende Tunesier – darunter ehemalige Regimegegner und auch Anhänger – jetzt das Land verlassen, ist vor dem Hintergrund der schlechten Arbeitsmarktlage und fehlender sozialstaatlicher Strukturen zu verstehen.

Auch wenn die Demokratisierung – in ihrer eigenen auf Tunesien zugeschnittenen Art - erfolgreich voranschreitet, kann es Jahre dauern bis der Reichtum auch bei den ärmsten Schichten des Landes ankommt. Politische Reformen  können in wenigen Wochen entstehen, für wirtschaftliche und soziale braucht es oft Jahre. Jahre, die viele von Armut betroffene Tunesier nicht mehr warten wollen, zu viel Zeit ist bereits vergangen, die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa (über dem Seeweg von Tunesien zu erreichen), ist Hoffnung und Traum tausender Tunesier. Wie die internationale Gemeinschaft mit diesen Flüchtlingsströmen umgeht, ist noch unklar. Zu hoffen bleibt, dass ein erfolgreicher Zugang zu humanitärer Pflicht und Erstversorgung, wie auch Integration in die italienische Gesellschaft aktiv gefördert wird.

Was die politischen Veränderungen für die Tourismusindustrie bedeuten, kann noch nicht ganz abgeschätzt werden. Vermutet wird aber, dass in den Touristengebieten bald wieder reger Betrieb herrscht, an der Gastfreundschaft der Tunesier haben die politischen Umstürze nichts geändert. Und die zumindest landschaftliche und kulinarische Schönheit ihres Landes zu präsentieren, ist nicht nur für die vom Tourismus lebenden Tunesier ein Anliegen. Ausländer waren auch während der Proteste als Sprachrohr zur internationalen Bühne, als Journalisten oder als einfache Beobachter willkommen. Ohne Tourismus wird Tunesien nicht das notwendige Wirtschaftswachstum aufbringen, dass benötigt wird, um die fast 11 Millionen Einwohner des Landes gleichermaßen am Wohlstand teilhaben zu lassen.

Viel Spaß auf Ihrer Reise in das freie Tunesien!




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Ein Artikel von Mag. Eva Pilipp

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