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Karneval der Superlative

Karneval in Rio

Beginn des Karnevals ist am Freitag vor dem Aschermittwoch und dauert bis Faschingsdienstag. Die Vereinigung der Sambaschulen, das Tourismusbüro von Rio de Janeiro und auch die übertragenden Fernsehsender organisieren das Fest im für diese Tage eigens erbauten, 700 Meter langen und knapp 90.000 Zuseher fassenden „Sambadrome“ im Stadtteil Estacio. Die Vereinigung existiert sei 1920. Diese Tage sind auch ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor für Rio de Janeiro

Entwicklung zum heutigen Karneval

Maskierung, Tanz und närrisches Treiben waren bereits im Mittelalter bei Griechen und Römern beliebt. Im 17. Jahrhundert, gesichert im Jahre 1723, wurde der Karneval unter dem Namen „Entrudo“ von Portugal nach Brasilien „exportiert“. Statt Konfettis und Papierschlangen wurde bei den zum Teil ausartenden Festen noch Kalk und anderer Unrat als „Wurfgeschosse“ verwendet. Ab  1840 etablierten sich, unterstützt von Karnevalsereinen bzw. -clubs, Veranstaltungen in großen eigens erbauten Sälen. Der erste Karnevalszug mit Musik fand 1855 statt. Organisiert vom Verein „O Congresso das Sumidadas Carnevalescas“, nahm vor allem die Oberschicht daran teil. Befreite Sklaven strömten im späten 19. Jahrhundert nach Rio de Janeiro und brachten ihre Musik und Tänze in den Karneval ein. Die erste Sambaschule, „Mangueira“ entstand in Rio im Jahre 1928. Im Nordosten Brasiliens etablierte sich der Karneval als närrisches Treiben und Trinkgelagen des Volkes. In Rio de Janeiro entwickelten sich von Vereinen und Sambaschulen organisierte Umzüge mit Musik und eigens choreographierten Tänzen. Daraus entwickelten sich die heute bekannten Paraden mit einem übergeordneten Thema.

Vor 1932 wurden in Rio unzählige Faschingsbälle gefeiert, ehe der erste formelle Stadtball zelebriert wurde. Die Gründung der Sambaschulen und deren organisiertes Trommeln geht  auf die Initiative eines portugiesischen Einwanderer zurück. Es ist heute die Grundlage für die Rhythmusgruppen der Sambaschulen. Zahlreiche Klubs, auch der Arbeiterschaft und der Mittelklasse, waren und sind im sozialen und politischen Bereich ganzjährig tätig.

Parade der Sambaschulen

Heute ist der Karneval in Rio vor allem durch die Samba-Paraden mit der sogenannten Präsentation, Showeinlagen und dem Wettbewerb der Sambaschulen weltweit bekannt. Die bekanntesten Sambaschulen sind u.a. „Beija Flor“, „Grande Rio“, “Imperatriz“, „Mocidade“, Schulen beziehen sich auf den Stadtteil, in dem die Schule beheimatet ist.  Jede Schule wählt für ihren Zug durch das Sambadrome“ ein eigenes Thema, wonach die Festwagen, Kostüme und Musik ausgewählt werden und die Könige, Königinnen und „Baianas“ danach musizieren und tanzen.

Die Umzüge der Sondergruppe  verteilen sich auf Sonntag und Montag Nacht, mit je 7 Schulen. Diese Umzüge sind besonders prachtvoll und werden von einheimischen Künstlern und anderen einheimischen Persönlichkeiten begleitet.
Die Gruppen A und B mit 10 bzw. 12 Schulen finden samstags und dienstags statt. Die jeweils Ersten steigen in die Sondergruppe auf. Die Gruppen C, D und E zählen zu den Aufsteigern. Sonntags präsentiert sich die Gruppe C, D am Montag und C am Faschingsdienstag.

Nachwuchsschulen präsentieren sich am Freitag. Die Sieger jeder Gruppe zeigen sich nach dem Karneval noch einmal. Die Reihenfolge der Schulen innerhalb einer Parade, ab 21 Uhr,  mit bis zu 5000 Teilnehmern bestimmt das Los. Die Präsentation darf 82 Minuten nicht überschreiten. Weiters werden die Präzision von Trommelrhythmen und Tanz, die Umsetzung des Themas auf den Festwagen, Fahnenträger und der künstlerische Gesamteindruck bewertet.

Eine Sambaschule bei der Parade ist in folgende Gruppen geteilt. Die Flügel; mindestens 4 davon tragen die gleichen Kostüme. Schon Tradition haben die Flügel der Bahianerinnen mit weiten Röcken, Turban und großer Stola. Die folgende Rhythmusgruppe steuert mit Trommeln in allen Größen und anderen Instrumenten die synchrone Bewegung während der Wertung. Die Schritte bestimmt der Vortänzer, der jeweils beste Tänzer einer Schule. Noch vor ihm stellt die Frontkommission den Zuschauern die Schule und ihr Thema vor. Unterstützt werden sie dabei von der Standartenträgerin, sie präsentiert das Wappen der Schule  und dem Zeremonienmeister. Ebenso wichtig sind der Vorsänger und der Regisseur. Die farbenfrohe Opulenz steigern die teils mächtigen Themenwagen. Die Träger der augefälligsten  Kostüme nennen sich „destaque“. Jeder Wagen wird von Menschen bewegt, da jede andere Hilfe verboten ist.
Die dargestellten Themen reichen von der Geschichte des Landes bis zu aktuellen Bezügen. 

In der Mittagszeit des Aschermittwochs wird die Punktevergabe für jede Gruppe auf allen Fernsehsendern des Landes live gesendet. Die siegreiche Sambaschule und der Geldpreis werden bei einem abschließenden Fest werbewirksam mit Großfeuerwerk gefeiert.

Der Karneval als Wirtschaftsfaktor

Während der Karnevalstage sind Hotels und Restaurants in Rio de Janeiro ausgebucht, die Umsätze der Getränkeindustrie und die Kosten für Werbung in den wichtigsten TV-Kanälen sind ebenfalls höher als an „normalen“ Tagen. Auch die Sambaschulen profitieren, da  teils weltweit agierende Konzerne namhafte Beträge zur Ausrichtung der Paraden an sie überweisen. Als Gegenleistung wird Werbung geschickt platziert oder im Sambarhythmus gesungen. Muss doch eine Sambaschule Ausgaben von umgerechnet mehr als 1,3 Euro für eine Kampagne veranschlagen. Kommunale Finanzhilfe und Fernseh-Einnahmen reichen zur Ausstattung bei weitem nicht aus. So haben sich in der Vergangenheit beispielsweise der halbstaatliche Öl- und ein Schweizer Nahrungsmittelkonzern mit knapp 2 Millionen Euro, Werbeslogans während der Parade gesichert

Genießen Sie Ihren Karneval in Rio!

Text von Fritz Halzl

 / Brasilien
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