Hintergrundbild: © M. Arisandy Rizky (modified by UI) - Public Domain

Ein schwimmender Markt in der Stadt am Fluss

Banjarmasin, Indonesien

Besucherrekord messen können. Die Hauptstadt der Provinz Süd-Kalimantan besticht mit natürlichem Charme, der vor allem das Erbe der Dayak, der ansässigen malaiischen Volksgruppe, in sich trägt.

Spricht man in ihrer Sprache, so bedeutet der einstige Name der Stadt „Bandar Masih” so viel wie „Hafen von Malai“. Dieser Hafen liegt idyllisch nahe der Mündung der Flüsse Martapura und Barito, auf einer Delta-Insel. Diese geographische Gegebenheit hat Banjarmasin auch den treffenden Beinamen „Fluss-Stadt” eingebracht.

Ein Netz von Wasserwegen

Zahlreiche Kanäle und Flussarme bilden pulsierende Adern, die sich geflechtartig durch die Stadt ziehen. Ein guter Tipp ist es, die Stadt mit ihren Häusern auf Stelzen aus der Wasserperspektive zu erkunden. Denn viele Boote bahnen sich ihren Weg durch die Wasserstraßen, die der Bevölkerung zur gleichen Zeit auch als Waschbecken dient.

Mit dem Trisakti Harbour verfügt Banjarmasin über einen wichtigen Tiefseehafen, der auch von Passagierfähren aus Java angesteuert wird. Eine Anreise mit dem Schiff ist also möglich, benötigt aber mindestens eine Übernachtung und dabei muss Komfort in den meisten Fällen der Abenteuerlust Platz machen.

Um einiges angenehmer ist da schon die Anreise mit dem Flugzeug. Etwa 25 Kilometer von der Stadt entfernt, befindet sich der Syamsudin Nuur Flughafen, der täglich Maschinen aus Jakarta, Surabaya und Bandung empfängt. Mit dem Taxi ist man in etwa 30 Minuten im Stadtzentrum und zahlt in der Regel einen Fixpreis.

Der Stadtkern selber gehört den Becaks – den dreirädrigen Motorrikschas, die aus dem Alltagsverkehr nicht mehr wegzudenken sind.

Koloniales Erbe, Gotteshäuser und Banjaresen-Tradition

Zu den Sehenswürdigkeiten von Banjarmasin lässt sich auf jeden Fall das Areal des ehemaligen Palasts in Kampung Kraton zählen. Einige Überreste der Anlage, die von den niederländischen Besatzern völlig zerstört wurde, sind hier heute noch zu sehen. Darüber hinaus beherbergt der Ort die Masjid Sultan Suriansyah Moschee, deren Geschichte mehr als 300 Jahre im Kalender zurückgeht.

Eine weitere Moschee liegt im nördlichen Zentrum der Stadt am Ufer des Martapura – die Sabilal Muhtadin Moschee mit ihrem 45 Meter hohen Minarett, die in den 1980er Jahren fertig gestellt wurde. Der Boden ist geschichtsbelastet, denn hier befand sich einst zu Zeiten der Kolonialherrschaft ein niederländisches Fort.

Der alte Architekturstil der Banjaresen hat die Stadt nicht gänzlich verlassen. Wer mit offenen Augen durch die Straßen zieht, kann hin und wieder das eine oder andere Haus entdecken, das sich an einem der 12 traditionellen Baustile orientiert und dabei großen Wert darauf legt, mit der Natur ineinander zu fließen.

Eines dieser Häuser wurde zum Waja Sampai Ka Puting Museum umadaptiert und beherbergt heute regionaltypische Artefakte aus längst vergangenen Zeiten.

Ein Markt voll schwimmender Boote

Szenenwechsel: Die Sonne ist eben am Aufgehen, tropische Früchte und farbenfrohes Gemüse schaukeln im frühen Sonnenschein, geschäftiges Treiben beherrscht den gerade angebrochenen Morgen. Wir befinden uns auf dem Schwimmenden Markt von Kuin, etwa 2 Kilometer nördlich des Stadtzentrums. Die Verkäufer haben ihre Boote mit Lebensmitteln aufgefüllt und bieten warmes Frühstück am Wasser an, das auf Gasherden und Woks direkt auf dem Boot zubereitet wird. Der schwimmende Verkauf blickt auf eine lange Tradition in Asien zurück und sollte auf jeder Reiseliste eingeplant werden. Früh Aufstehen lohnt sich in diesem Fall sehr, denn wenn der Tag jung ist, ist das Angebot am Größten.

Weil der Handel eine der Hauptbeschäftigungen der Bevölkerung ist, gibt es neben dem Schwimmenden Markt auch einen Sonntagsmarkt – den Pasar Ahad mit regionalen Spezialitäten und einem reichhaltigen Frühstücksangebot – und diverse Nachtmärkte wie jene auf der Jl. Katamso und der Jl. Niaga Utara. Letztere erweisen sich immer wieder als die Retter hungriger Nachtschwärmer mit ihrer breiten Palette an regionalen Spezialitäten. Banjarmasins Küchenstolz lässt sich etwa in Soto Banjar widerspiegeln – die würzige Suppe wird mit Limetten und Reiskuchen serviert. Den Nachspeisen-Magen füllt man sich standesgemäß mit Bingka – kleinen Küchlein aus Tapiokastärke und Kokosmilch, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen zu haben sind. Darüber hinaus war Banjarmasin lange Zeit ein geschäftiger Umschlagplatz für Rohdiamanten und auch heute noch sind die funkelnden Steine hier und in der Umgebung auf den Handelstischen präsent.

Wo die wilden Affen wohnen

Wenn Banjarmasin auch keine Großstadt ist, so kann einen doch auch immer wieder der Ruf der Natur ereilen. Dann begibt man sich am Besten zur Blumeninsel „Pulau Kembang”, vom Barito Fluss umschlossen und mit dem Boot in etwa 20 Minuten von Banjarmasin aus erreichbar. Die Insel wird von quirligen Makaken bewohnt, die großen Einfallsreichtum beweisen, um an mitgebrachtes Essen der Besucher zu kommen. Notfalls werden die Langfinger ausgefahren.

Eine andere Gattung der Affen findet man im Pulau Kaget Naturreservat, südlich von Banjarmasin – den Nasenaffen. Zu den felligen Freunden mit dem skurrilen Riechorgan gelangt man per Boot, das vom Trisakti Hafen aus über die Mangroven bis in das Reservat führt. Hier auf Borneo herrscht tropisches Regenwaldklima mit durchschnittlichen 27 Grad im Jahr. Eine richtige Trockenzeit gibt es hier nicht, doch kann man von Mai bis November mit deutlich weniger Regen rechnen.

Die überwiegend muslimische Bevölkerung ist sehr gastfreundlich. Unterkunft wird einem in Mittelklasse Hotels und Homestays angeboten. Seien Sie darauf gefasst, dass manche Budget-Unterkünfte nur mit Hock-Toiletten aufwarten können. Wer tiefer in die Tasche greifen kann, findet jedoch auch entsprechend gut ausgestattete Businesshotels mit traumhaftem Ausblick über Stadt und Fluss. Die Fluss-Stadt befindet sich eben auch im evolutionären Fluss und passt die Fließgeschwindigkeit dem Fortschritt der Zeit an.

Viel Spaß und viele Eindrücke auf Ihrer Reise nach Banjarmasin!

Banjarmasin / Indonesien
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Beiläufige Informationen

Behandeln Sie die lokale Bevölkerung immer mit einer angebrachten Wertschätzung. Beachten Sie dabei bitte ebenfalls lokale Gepflogenheiten.

Handeln Sie gewissenhaft: Die CO2-Emission der Flugreise können Sie neutralisieren, zum Beispiel bei der schweizerischen Organisation myclimate. Reduzieren Sie den Verbrauch von Wasser (z.B. mit kürzer unter die Dusche gehen). Pfeifen Sie auf entbehrlichen Einwegmüll. Unterstützen Sie kleinere Familienunternehmen und nicht internationale Multis.

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