Hintergrundbild: © flickr-User: Trekking Rinjani - CC BY 2.0

Gunung Rinjani Nationalpark, Indonesien

Majestätisch blickt eine riesige Erhebung über die relativ kleine Insel Lombok.

Der Feuerberg Gunug Rinjani gilt mit seinen mehr als 3.700 Metern als zweithöchster Vulkan Indonesiens und genießt unter der ansässigen Bevölkerung den Ruf eines nicht bloß geografisch hohen Heiligtums. Die Legende besagt, dass auf dem Gipfel die Götter wohnen und die mystische Königin des Berges, Dewi Anjani, hier ihren unsichtbaren Palast habe.

Auch die Geschichte misst diesem Ort eine erhebliche Rolle zu. Als es 1257 zu einem Ausbruch des Vulkans Samala im Rinjani-Massiv kam, soll dieser eine globale Abkühlung zur Folge gehabt haben. Die Ernte in Europa soll im Folgejahr von Dauerregen und Missernten vernichtet worden sein.

Auch heute wird hier vulkanische Aktivität nachgewiesen. Wenn der Berg sich aber in einer Ruhephase befindet, ist es eines der attraktivsten Erlebnisse, im Gunung Rinjani Nationalpark, der im Jahr 1997 gegründet wurde, den Aufstieg zu wagen. Die atemberaubende Aussicht bis nach Bali und Sumbawa eröffnet sich jenen, die es bis ganz an die Spitze schaffen.

Ein blubbernder See mit eigenem Vulkan

Segara Anak Segara Anak - Rosino (modified by UI) - CC BY-SA 2.0

Neben dem Gipfel, dessen Erklimmen beste körperliche Kondition erfordert, ist der Kratersee Segara Anak („Kind des Ozeans”) einer der Höhepunkte der Tour durch das Massiv. Aus 230 Metern Tiefe blubbern die Gasbläschen und inmitten des Sees erwächst bereits ein neuer Vulkan – der Gunung Baru, der schon groß genug ist, Lava zu spucken. Die heißen Quellen heizen das Wasser an einigen Stellen auf und werden von den Einheimischen als „Aik Kalak” für ihre heilende Kraft verehrt. Jährlich zu Beginn der Regenzeit, die um den November herum startet, pilgern gläubige Hindus zum Segara Anak um zu beten und Opfer darzubringen. Ein unvergesslicher Anblick bietet sich dem Besucher, der den rituellen Zeremonien im Rahmen dieses – „Mulang Pekelem” genannten – Festes beiwohnen darf. Am Ende wird heiliges Wasser aus dem See ins Tal gebracht, um damit das Vieh zu segnen.

Der Park verfügt über eine hohe tierische und pflanzliche Artenvielfalt und weiß stets mit seinen Wundern der Natur zu verzaubern. Eine endemische Schleichkatzenart teilt sich den Busch mit Mähnenhirschen, dem Sunda-Stachelschwein, Schuppentieren und dem Mützenlangur – einem Affen mit einem mützenartigen Schopf auf dem Kopf. Und wenn es aus dem Gebüsch plötzlich bellt, dann muss sich nicht unbedingt ein Hund hierher verirrt haben: Der Indische Muntjak verwendet ebenfalls bellende Schrecklaute und wird deswegen auch „Bellender Hirsch” genannt. Noch intensiver ist das Spektrum aufseiten der gefiederten Freunde. Kakadu, Honigfresser und Schwarznackenpirol pfeifen sich eins während die endemische Rinjani-Eule auf den Anbruch der Nacht wartet.

Regenwald Regenwald - Jordy Meow (modified by UI) - CC BY 3.0

Zum pflanzlichen Stolz des Parks gehören edle Hölzer wie das Amerikanische und das Indonesische Mahagoni. Endemische Orchideen-Arten sorgen für bunte Farbtupfer in all dem Grün. Spezielle Feigenbäume, Asterngewächse und Bartflechten lassen sich ebenso bewundern, wie das Edelweiß, dem eine magische Schutzkraft zugesprochen wird – also auf jeden Fall Hände weg davon!

In den Bergwäldern, die als wichtiger und nahezu einziger Wasserspeicher Lomboks gelten, finden sich einige Tore in verborgene Welten. Zahlreiche Höhlen sorgen für geheimnisvolle Momente. Die bekanntesten sind Goa Payung, Goa Manik und Goa Susu. Vor allem letztere war schon vielen ein Helfer auf dem Weg zur Selbstfindung und ist prädestiniert für Meditationsübungen.

Touren in erfahrene Hände legen

Um all diese Schönheit zu bewahren, ist für den Besuch des Parks eine Eintrittsgebühr zu entrichten. Außerdem sollte man nur unter der Begleitung eines erfahrenen Guides unterwegs sein. Bei entsprechender Witterung können die Wege zu einer Rutsch-Falle werden, darüber hinaus ist Wissen über das richtige Verhalten im Gebirge essentiell. Starke Winde kommen immer wieder auf und wenn auch die Wege und Campingplätze über zahlreiche Trinkwasserstellen verfügen, versiegen manche von ihnen in der Trockenzeit. Die Guides wissen dann aber zum Glück eine Alternative. Packages für mehrtägige Touren zwischen zwei und vier Tagen, inklusive Guides und Trägern, lassen sich in ausgewiesenen Büros mit dem Zertifikat des „Rinjani Trek Management Boards“ buchen. Leider kam es schon öfter vor, dass gefälschte Tickets verkauft wurden – vor allem im balinesischen Padang Bai. Deswegen bitte die Augen offen halten!

Vergessen Sie auch nicht, warmes Gewand einzupacken. Aufgrund der enormen Höhenlage verwandeln sich die hitzigen 30 Grad, die es am Tag haben kann, bei Nacht in nüchterne Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.

Die Tore ins Naturparadies

Als wichtigste Ausgangspunkte für eine Vulkanbesteigung haben sich Senaru an der Nordseite und das westlich gelegene Sembalun Lawang herauskristallisiert. Beide Orte verfügen über Besucherzentren, die neben Tickets auch Kartenmaterial zur Verfügung stellen und über die Regeln in freier Natur informieren.

Unterschiedliche Vegetationszonen prägen den Rinjani, weshalb eine Tour von Senaru durch dichten Regenwald führt, während von Sembalun Lawang ein Trip durch die Savanne – also einer Stufe zwischen Regenwald und Wüste – bevorsteht.

Senaru liegt etwa drei Autofahrstunden von Mataram entfernt und ist als Heimat der ethnischen Bevölkerungsgruppe der Sasak von Ursprünglichkeit und Tradition geprägt. Architektur, Kunsthandwerk und Alltagsleben portieren den Geist dieses Volkes und machen die Umgebung, die mit eindrucksvollen Reisterrassen, verzweigten Wasseradern und prächtigen Regenwald-Wasserfällen überzeugt, gleich noch faszinierender. Sembalun Lawang wiederum, ist von Mataram in vier Stunden Autofahrt erreichbar. Beide Orte verfügen über eine reichhaltige Liste an günstigen Hotels, Gästehäusern und Bungalows – und viele davon bieten sogar ein eigenes Abholservice von einer der nächsten Ortschaften an. Was auch ganz hilfreich ist, denn hauptsächlich sorgen Kleinbusse und Bemos (Dreirad-Taxis) für den Touristenfluss. Mataram selber ist dank seines Flughafens leicht von Jakarta, Surabaya oder Denpasar erreichbar. Wer lieber klassischen Wellengang bevorzugt, steigt in Padang Bai auf Bali in die Fähre, die einen über den Hafen von Lembar nach Lombok bringt.

Für welchen Weg Sie sich auch entscheiden, die beste Reisezeit ist jedenfalls während der Trockenperiode von April bis November. Von Dezember bis März bringt nämlich der Regengott seinen Einfluss zur Geltung und macht die Wege zu einer reißenden Gefahr. Deswegen werden in diesem Zeitraum auch keine Wanderungen angeboten und das Gebiet weitgehend gesperrt.

Und was auch noch beachtet werden sollte: Wie bei jedem anderen aktiven Vulkan gilt auch hier, die Warnungen der Messstationen ernst zu nehmen. Aber solange es nicht brodelt, lässt sich auf dem Sitz der Götter eine gute Zeit verbringen – auf dem zweithöchsten Feuerberg des Landes.

Viel Spaß und viele Eindrücke auf Ihrer Reise in den Gunung Rinjani Nationalpark!

Gunung Rinjani Nationalpark / Indonesien
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Grundsätzliche Reiseinfos

Treffen Sie die Lokalbevölkerung immer mit einer angebrachten Wertschätzung. Beachten Sie dabei bitte ebenfalls regionale Traditionen.

Reisen Sie verantwortungsfreudig: Die Emission des Treibhausgases CO2 für den Flug kann man kompensieren, etwa bei myclimate aus der Schweiz. Mindern Sie Ihren Wasserverbrauch (z.B. mit kürzeren Duschgängen). Verringern Sie beim Einkaufen unsinnigen Müll. Unterstützen Sie lokale Kleinhändler an Stelle von großen Unternehmen.

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