Malang, Indonesien
Exotische Früchte gehören zu jeder Indonesien-Reise wie der Sonnenhut zum Vulkanausflug. Durian, Salak und Mango kennt inzwischen fast jeder Reisende, der sich schon einmal durch die Märkte des Inselreichs gekostet hat. Aber ausgerechnet der gute alte Apfel, den man eher mit deutschen Streuobstwiesen als mit dem Äquator verbindet, hat in Indonesien ein zweites Zuhause gefunden – und zwar rund um Malang. Die Region gilt völlig zu Recht als Herz des indonesischen Apfelanbaus.
Im Osten Javas, südlich von Surabaya gelegen, profitiert Malang von seiner Höhenlage, die für angenehm milde Temperaturen sorgt. Schon zur niederländischen Kolonialzeit wussten Europäer diesen klimatischen Vorteil zu schätzen und machten die Stadt zu einem beliebten Rückzugsort. Aus dieser Zeit stammt auch die Eisenbahnverbindung, die Malang bis heute mit Jakarta verknüpft und der Stadt einen ordentlichen industriellen Schub verpasst hat.
Spuren der Kolonialzeit
Der Ijen Boulevard ist so etwas wie das Schaufenster der Kolonialzeit. Prächtige Villen im niederländischen Stil reihen sich hier zwischen blühenden Bougainvillea-Hecken, und wer durch die schattigen Alleen schlendert, kann sich lebhaft vorstellen, wie stolz die damaligen Kolonialherren auf ihre kleine Oase gewesen sein müssen.
Ein Stück weiter wartet das Brawijaya Militärmuseum mit einem deutlich ernsteren Kapitel javanischer Geschichte auf. Die Ausstellung erinnert an die berühmte Brawijaya-Garnison, die im indonesischen Unabhängigkeitskrieg eine zentrale Rolle spielte, sowie an die politisch aufgewühlten Jahre, die darauf folgten. Wer sich für Militärgeschichte interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.
Etwas entspannter geht es auf dem Alun-Alun zu, dem zentralen Platz der Stadt, der von der Großen Moschee gesäumt wird. Hierher zieht es Einheimische am Abend zum Plaudern, Essen und Beobachten des städtischen Treibens – ein guter Ort, um selbst einmal die Beine hochzulegen.
Grüne Oasen und rauschende Wasserfälle
Wer nach so viel Geschichte frische Luft braucht, findet im Botanischen Garten Purwodadi ein weitläufiges grünes Refugium. Zwischen tropischen Bäumen und gepflegten Beeten lässt sich hervorragend die Seele baumeln lassen, bevor man wieder ins städtische Gewusel eintaucht.
Noch erfrischender wird es am Baung-Wasserfall, dessen Rauschen zuverlässig jeden Alltagsstress übertönt. Wer die Wanderschuhe schnürt, wird mit einem der schönsten Naturschauspiele der Region belohnt.
Tanz, Masken und lebendige Traditionen
Traditionelle Tanzkunst gehört zu Indonesien wie die Nudeln zum Wok. Im Park Taman Rekreasi Senaputra werden regelmäßig Wayang-Aufführungen gezeigt, und mit etwas Glück erlebt man sogar eine Wayang Kulit Vorstellung, bei der Schattenfiguren die alten Legenden auf die Leinwand zaubern.
Auch der Maskentanz Tari Topeng erfreut sich großer Beliebtheit und wird bei Festen gerne aufgeführt. Wer selbst eine handgefertigte Maske mit nach Hause nehmen möchte, sollte einen Ausflug in die Dörfer Jabung und Kedungmonggo einplanen. Dort wird das traditionelle Handwerk noch mit sichtbarer Hingabe gepflegt.
Das bunteste Dorf Javas
Ein Abstecher, der garantiert für volle Handykameras sorgt, führt zum Kampung Warna Warni, dem sogenannten Regenbogendorf am Fluss. Was einst ein eher unscheinbares Wohnviertel war, wurde kurzerhand in sämtlichen Farben des Regenbogens angemalt und avancierte damit zu einem der beliebtesten Fotospots der Stadt. Zwischen Türkis, Pink und Gelb wirkt selbst ein bewölkter Tag gleich viel fröhlicher.
Traumstrände und geheime Inseln
Wer sich nach Sand zwischen den Zehen sehnt, findet südlich der Stadt mit Balekambang eine echte Perle. Eigentlich handelt es sich um drei benachbarte Strände, doch im Sprachgebrauch wird oft nur einer als Sammelbegriff für alle verwendet. Drei kleine vorgelagerte Inseln lassen sich bequem über Brücken erreichen, während die etwas abgelegenere Insel Pulau Sempu nur mit einem Charter-Boot zu erobern ist.
Abenteurer, die eine Nacht am Strand verbringen möchten, finden einfache Übernachtungsmöglichkeiten vor. Nur an Wochenenden sollte man sich darauf einstellen, dass auch viele Einheimische das Geheimnis dieses schönen Küstenabschnitts längst gelüftet haben.
Tempel aus der Zeit der Singhasari
Nördlich der Stadt wartet der hinduistische Singosari-Tempel, der Shiva geweiht ist und aus der Blütezeit des Königreichs Singhasari stammt. Architektonisch unterscheidet er sich deutlich von seinen balinesischen Verwandten und ist damit ein spannendes Ziel für alle, die sich für javanische Tempelbaukunst interessieren.
Mondlandschaft gefällig? Der Bromo Tengger Semeru Nationalpark
Wer schon immer wissen wollte, wie sich eine Mondlandung anfühlt, ohne dafür ins Raumschiff zu steigen, sollte dem Bromo Tengger Semeru Nationalpark einen Besuch abstatten. Zwischen den beiden aktiven Vulkanen Mount Bromo und Mount Semeru wechseln sich schwarze Lavafelder, dichte Wälder und rauschende Wasserfälle in bemerkenswertem Tempo ab. Der Mount Semeru gilt als höchster Vulkan Javas und lockt ambitionierte Wanderer mit einer mehrtägigen Trekking-Tour, bei der in einfachen Camps übernachtet wird.
Auch wer nicht bis zum Gipfel vordringen möchte, wird mit dem Sonnenaufgang über dem Bromo für jeden frühen Wecker entschädigt. Das goldene Licht, das sich über das Kraterfeld legt, gehört zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen ganz Indonesiens.
Batu, der kühle Rückzugsort
Nicht weit von Malang entfernt liegt die Stadt Batu, die längst zum beliebten Wochenendziel für Städter geworden ist. Wohlhabende Familien besitzen hier ihre Zweitwohnsitze, doch auch alle anderen zieht es an freien Tagen gerne in die kühlere Höhenlage. Wandern, Mountainbiken und Paragleiten machen bei angenehmen Temperaturen gleich doppelt so viel Spaß.
Die Apfelplantagen rund um Batu sind ein Muss für alle Naschkatzen. Wer möchte, pflückt selbst und verwöhnt sich anschließend mit frischem Apfelkuchen oder knusprigen Apfelchips. Für Familien mit Kindern lohnt sich zudem ein Ausflug in einen der Themenparks der Region, etwa das kuriose Museum Angkut mit seiner Sammlung historischer Fahrzeuge, oder den farbenfrohen Blumenpark Selecta. Sobald die Nacht anbricht, verwandelt sich das Stadtzentrum von Batu in einen quirligen Vergnügungspark mit eigenem Riesenrad.
Gut vernetzt: An- und Weiterreise
Malang ist verkehrstechnisch bestens erschlossen. Vom großen Bahnhof Kotabaru aus lassen sich Tickets in Richtung Yogyakarta oder Bandung lösen, während vom Busbahnhof Arjosari im Norden der Stadt Fernbusse unter anderem nach Jakarta, Yogyakarta, Surabaya, Denpasar, Mataram und Solo abfahren.
Innerhalb der Stadt sind Angkots und Microvans die günstigste, wenn auch nicht immer bequemste Art der Fortbewegung. Wer es etwas gemächlicher mag, steigt in eine traditionelle Becak, die Fahrrad-Rikscha des Landes. Für den Weg zum Flughafen Abdul Rachman Saleh, der vor allem Inlandsflüge nach Jakarta und Bali bedient, empfiehlt sich hingegen ein Taxi. Benannt ist der Flughafen übrigens nach einem indonesischen Piloten, der während der Revolution von niederländischen Streitkräften abgeschossen wurde.
Schlafen und Schlemmen in Malang
Die Palette an Unterkünften in Malang reicht von einfachen Backpacker-Hostels mit Gemeinschaftsdusche bis zu komfortablen Hotels, die mit javanischen Antiquitäten, eigenem Pool und Restaurant aufwarten. Für jeden Reisestil und jedes Budget findet sich also das passende Bett.
Kulinarisch zeigt sich Malang erfreulich vielseitig. Neben frischen Meeresfrüchten stehen chinesische Klassiker, aber auch Burger und Steaks auf den Speisekarten. Gegrillte Maiskolben gehören zu den beliebtesten Streetfood-Snacks und werden gefühlt an jeder zweiten Straßenecke angeboten, besonders lebhaft auf dem Nachtmarkt an der Jl. Merdeka. Wer den echten Geschmack der Region sucht, bestellt eine Schüssel „Bakso Malang”, die würzige Fleischbällchen-Suppe, oder die kräftige Ochsenschwanzsuppe „Sop Buntut”.
Und zum Abschluss darf natürlich der Apfel nicht fehlen, der hier in bester regionaler Qualität wächst und als süßer Beweis dafür dient, dass Malang seinen Ruf als Apfelstadt völlig verdient hat.
Viel Spaß und viele Eindrücke auf Ihrer Reise nach Malang!Für Fotograf:innen: Sonnenauf- und Sonnenuntergänge
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∠° steht für Sonnenwinkel (∠ 90° = senkrecht), °C für die Temperatur in Grad Celsius.
Ermittelte Zeitzone: Asia/Jakarta
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Zuletzt aktualisiert: 06.10.2026 um 16:03 Uhr MEZ
Wohlbekannte Infos zu Fernreisen
Während eines Gesprächs behandeln Sie die Lokalbevölkerung immer mit einer angebrachten Wertschätzung. Beachten Sie dabei bitte ebenfalls landestypische Gebräuche.
Reisen Sie gewissenhaft: Die Emission des Treibhausgases CO2 für den Flug kann man ausbügeln, beispielsweise bei dem Klimakompensationsanbieter atmosfair. Mindern Sie den Verbrauch von Wasser (z.B. mit kürzer unter die Dusche gehen). Verzichten Sie auf entbehrlichen Müll. Fördern Sie lokale Produzenten an Stelle von großen Unternehmen.


















