Hintergrundbild: © Marwan Mohamad (modified by UI) - CC BY-SA 4.0

Unterwegs auf dem Wasser-Highway

Sungai Mahakam, Indonesien

Mit nicht allzu großer Anstrengung passieren die Schiffe tagein tagaus den Hauptverkehrsweg der Region, bringen Menschen und Güter von einem Punkt zum anderen und spulen dabei fleißig ihre Kilometer ab – in fließender Bewegung, auf dem längsten Fluss Ost-Kalimantans, dem Sungai Mahakam.

Dieser Fluss bringt das Leben und dementsprechend spielt sich der Alltag der Menschen direkt am Ufer ab. In langer Tradition entstanden Siedlungen entlang der Wasserstraße, viele Einheimische leben vom Fischfang aber auch vom schwimmenden Transport und den vorbeikommenden Touristen. Motorisierte Langboote, unter dem Namen „Ces” bekannt, halten die Rädchen des öffentlichen Verkehrs in ständiger Bewegung. Von beinahe 1.000 Kilometern kann etwa die Hälfte mit normalen Passagierschiffen befahren werden. Für den Rest muss man schon auf Abenteuer eingestellt sein und sich weiter flussaufwärts begeben oder die Nebenflüsse nützen.

Geschäftiger Ballungsraum am Fluss

Nahe dem Industriezentrum Samarinda mündet der Sungai Mahakam schließlich in die Straße von Makassar, das Bindeglied zwischen Celebessee und Javasee. Samarinda, örtliches Zentrum des Tropenholzhandels, eignet sich aufgrund seiner verkehrstechnischen Situation als guter Einstiegsort für eine Flussreise. Der örtliche Flughafen gilt als einer der größten in Kalimantan Timur und ist als solcher Beginn und Ende von Kondensstreifen aus Bali, Jakarta, Makassar, Pontianak, Surabaya oder Banjarmasin. Ansässige Restaurants bieten Krabben und andere Meeresfrüchte aber auch Steaks und China-Küche an. Natürlich aber auch heimische Spezialitäten wie die kräftige Hühnersuppe „Soto Banjar” mit reichlich Einlagen oder das Reis-Huhn-Gericht „Nasi Balikpapan”. Ganz allgemein ist die Küche Kalimantans etwas milder als auf den anderen Inseln. Vor allem abends drängen sich Händler an den Fluss und verkaufen Essen und Getränke an die Vorbeikommenden. Ein abendlicher Spaziergang entlang der Promenade ist also auf jeden Fall empfehlenswert.

Ebenfalls am Wasser angesiedelt hat sich das neue islamische Zentrum mit seiner imposanten Moschee. Und auf der Südseite des Flusses befindet sich die nicht weniger beeindruckende „Mesjid Siratal Mustaqim“ – eine 400 Jahre alte Moschee im Kolonialstil mit einem einmaligen hölzernen Minarett. Aber so stolz die Türme auch in die Höhe ragen, bleibt die Stadt immer noch ein Ort der Gegensätze, wo hochwertige Hotels auf Wellblech-Baracken stoßen und solcherart oftmals ein groteskes Bild zeichnen.

Beschauliche Ortschaften, nicht auf jeder Karte zu finden

Es sind aber vor allem die kleineren Orte flussaufwärts, die das berauschende Flair der Region ausmachen. Immerhin ist der Reichtum an Tieren hier so hoch wie selten wo. Drei große Seen – Danau Jempang, Danau Melintang und Danau Semayang – und etwa 30 weitere kleine bieten einer tierischen Vielfalt ein idyllisches Zuhause. Der vom Aussterben bedrohte Irawadidelfin teilt sich die Gewässer mit verschiedensten Fischarten und Ottern. Das Land wird bevölkert von Affen, Schlangen und Eidechsen während die Lüfte von Kondor, Eisvogel, Warzenkopf, Blauem Fliegenfänger und weiteren Borneo-Arten beherrscht werden. Die raue, unberührte Natur entlang der Wasserstraßen, Tümpel und Seen hat sich seit jeher als wichtiger Nistplatz für die gefiederten Artgenossen erwiesen und trägt ihren wichtigen Teil zur Erhaltung der Artenvielfalt bei.

Die Banjar-Ansiedlung am Danau Jempang gilt als Tor zum See – Häuser auf Flößen treiben Seite an Seite im Wasser, geworfene Anker verhindern ein Abdriften. Tanjung Haur versprüht als „schwimmendes Dorf” viel Ursprünglichkeit und auch der Irawadidelfin lässt sich hier frühmorgens oder bei Abendanbruch immer wieder blicken.

Nicht ganz so zurückgezogen ist Kumala Island inmitten des Flusses. Ein künstlich auf Schlamm angehäuftes Erholungsareal bietet Unterhaltung und Entspannung. Vom rotierenden Turm mit einer Höhe von beinahe 80 Metern lässt sich die gesamte Insel in einen Blick einfangen – so auch der Autoskooter, in dem hitzige Gefechte ausgetragen werden. Daneben versorgen Essensstände die knurrenden Mägen mit typischen Reisgerichten, Fleischbällchen und Spießen.

Nächster Punkt auf der Reisekarte ist Tenggarong, die ehemalige Residenzstadt der Sultane von Kutai. Der recht überschaubare Ort konzentriert sich um die Bootsanlegestelle und den Markt, hat aber auch noch ein Kultur-As im Ärmel – das Mulawarman Museum im Sultanspalast, wo neben dem Thronsaal des Herrschers eine Ausstellung über das Sultanat, diverse Grabstellen und außerdem Gebrauchsgegenstände der ethnischen Volksgruppe der Dayak besichtigt werden können.

Schwimmende Küchen und eine Nacht im Langhaus

Die Ortschaft Senoni wiederum, ist bekannt für ihre schwimmenden Essensstände – eine ganz spezielle Art des Drive-Ins.

Einen weiteren Platz auf der Liste der sehenswerten Orte dieser Region nimmt Muara Muntai mit seinen Häusern, die auf Holzstelzen stehen, ein. Einige einfache Pensionen und Restaurants bieten den Rahmen für eine Pause oder Übernachtung, bevor die Bootsmotoren wieder angeworfen werden.

Nicht direkt an der Hauptwasserstraße gelegen ist das Dayak-Dorf Mancong. Wenn die Nebenarme genug Wasser führen, können sich kleine Boote durch die Sumpf- und Dschungelwildnis kämpfen. Im Trockenfall ist ein Umstieg auf Ojeks (Motorradtaxis) notwendig. Was einen hier erwartet, wenn man erst einmal die Banyan-Wälder mit den Nasenaffen hinter sich gelassen hat, ist ein einzigartiges Baujuwel – ein traditionelles Langhaus der Dayak. Der 60-Meter-Komplex bot einst mehreren Familien ein gemeinsames Dach über den Köpfen. Heute können Reisende hier ihr Nachtlager aufschlagen. Zugegeben, man sollte keine Angst vor sozialen Kontakten haben, das Unbequeme nicht scheuen und den Segen der modernen Elektrizität einmal vergessen. Lässt man sich aber darauf ein, bekommt man hier ein Erlebnis geboten, das kaum wo anders noch auf diese Weise möglich ist und sicher auf lange Zeit die Erinnerung bestimmen wird.

Mangroven, Auwald, Leben am Wasser – der Mahakam und die ihn umgebenden Feuchtgebiete gelten nicht nur als Rückzugsort ethnischer Stämme und seltener Tiere sondern auch als Wasserspeicher der Region. Die Menschen leben in einer Zurückgezogenheit, doch werden Fremde meist freundlich empfangen. Sollten sie einmal keine ausgewiesene Unterkunft auftreiben, besteht manchmal dennoch die Möglichkeit, eine Familie zu finden, die Sie als Gast aufnimmt. Machen Sie sich in diesem Fall darauf gefasst, dass die Ursprünglichkeit neben Ihnen ruhen wird. Hin und wieder wird sie Ihnen ins Ohr flüstern und Geschichten erzählen aus einer Zeit, in der Hektik ein unbekanntes Wort war.

Viel Spaß und viele Eindrücke auf Ihrer Reise zur Region Sungai Mahakam!

Sungai Mahakam / Indonesien
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Beiläufige Informationen

Während eines Gesprächs behandeln Sie die Bewohner vor Ort immer mit einer angebrachten Wertschätzung. Nehmen Sie bitte Rücksicht auf die Gewohnheiten vor Ort.

Benehmen Sie sich gewissenhaft: Die Emission des Treibhausgases CO2 für den Flug kann man kompensieren, beispielshalber bei der Non-Profit-Organisation atmosfair. Beschränken Sie Ihren Wasserbedarf (z.B. mit kürzer unter die Dusche gehen). Pfeifen Sie auf unnützen Einwegmüll. Unterstützen Sie kleinere Familienunternehmen an Stelle von großen Unternehmen.

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