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Im Reich der hängenden Toten

Tana Toraja, Indonesien

Knochen, Mumien und Totenfeiern – schwierig, nicht auf sie zu stoßen.

Deswegen sollte man schon ein Händchen fürs Morbide oder eine gesunde Einstellung zum Jenseits mitbringen, wenn man der Region im Süden Sulawesis einen Besuch abstattet. Macht alles einfacher.

Das gebirgige Territorium ist von üppigen Reisterrassen, dichten Wäldern, hohen Bergen und fruchtbaren Tälern umgeben. Inmitten dieses Hideaways haben sich die einheimischen „Toraja“ über Jahrhunderte ihren traditionellen Lebensstil erhalten, der stark von Geistern, Dämonen und Kulthandlungen geprägt ist.

Der Name bedeutet soviel wie „Leute aus dem Bergland” und entstammt der buginesischen Sprache. Die ethnische Volksgruppe der Bugis, die in Sulawesi beheimatet ist, lebte einst im Tiefland und gab den Bewohnern des Hochlandes jenen Namen. Später übernahmen sie diesen auch für sich selbst. Obwohl die Toraja unter niederländischen Missionaren größtenteils zum christlichen Glauben konvertierten, halten sie weiterhin an ihrem animistischen Totenkult fest und prägen somit die tief mystische Aura dieser Region.

Ein starker Abgang

Ihrem Glauben nach, ist das Leben auf der Erde bloß ein Übergang. Richtig los geht es erst im Jenseits. Deswegen werden Tote einbalsamiert und im Haus aufgebahrt, bis die Hinterbliebenen genug finanzielle Mittel für ein standesgemäßes Begräbnis aufbringen können, das auch von wirklich allen Familienmitgliedern besucht werden kann. Somit ist neben dem Monetären auch die Logistik ausschlaggebend, wann eine rituelle Feier tatsächlich stattfinden kann. Und deshalb können die Leichen auch schon mal mehrere Jahre auf ihren Abschied warten. Ist es dann endlich so weit, werden auf den Festplätzen neue Unterkünfte für die hunderten erwarteten Gäste errichtet und über mehrere Tage verteilt wird gesungen, getanzt, gegessen und viel Palmwein getrunken. Hier darf man sich nicht lumpen lassen. Je angesehener der Verschiedene, desto mehr Büffel und Schweine werden vor Ort geopfert. Nach einem Schnitt in die Kehle verbluten die Tiere auf dem Platz, werden anschließend geschlachtet und ihr Fleisch an die Besucher verteilt. Die längste Feier für die am Höchsten Angesehenen dauert zweimal sieben Tage, wird von tausenden Gästen besucht, während hunderte Büffel geopfert werden.

Für die Hinterbliebenen ist jeder weitere Besucher willkommen, weshalb auch Touristen der Zeremonie beiwohnen können – sofern sie sich in das traditionelle Kleidungs-Schema einordnen können. Kleine Geschenke wie Zigaretten, Zucker oder Kaffee sind nicht zwingend, werden aber immer gern gesehen. Es empfiehlt sich jedoch, einen ortskundigen Guide als Begleitung anzuheuern. Tourismusbüros helfen hier weiter.

Ist das Begräbnis einmal hinter sich gebracht, sind die Leichen bereit, in Holzsärgen an eine Felswand gehangen zu werden oder in einem Felsengrab (eine Höhle oder eine eigens dafür heraus gemeißelte Felsnische) zur Ruhe gebettet zu werden. „Tao Taos”, kunstvoll geschnitzte Holzfiguren mit Gesichtszügen der Verstorbenen und in deren Gewand gehüllt, bewachen die sterblichen Überreste mit den wertvollen Grabbeigaben im ewigen Stein.

Das Dorf Lemo ist für seine hängenden Gräber bekannt, während Londa mit Felsengräbern aufwartet. Und in Suaya ist das Grab der Königsfamilie zu finden. Teilweise gibt es Führungen, teilweise ist eine Eintrittsgebühr zu entrichten. Doch auch das Leben der Einheimischen fasziniert in seiner Ursprünglichkeit. Die schiffsartigen Häuser, ganz ohne Nägel gebaut, recken stolz ihre spitzen Giebel in die Höhe, während von den vorderen Stützbalken Büffelhörner baumeln – ein Zeichen des sozialen Ansehens.

Kultureller Anziehungspunkt seit Jahrzehnten

Bereits in den 1980er Jahren war die Region 300 Kilometer von Makassar eines der wichtigsten Tourismusziele nach Bali. Auch wenn das Verwaltungszentrum in Makale liegt, so gilt der Ort Rantepao als kulturelles Zentrum des Toraja-Landes und hat als solcher nicht nur zahlreiche Kulturtouristen sondern auch einige Anthropologen angezogen.

Als Tor zur Region hat Rantepao sich lange einen Namen gemacht und bietet heute ein breites Angebot an Unterkünften – von der einfachen Pension und der Gastfamilien-Unterkunft bis zu Gästehäusern und kleinen Hotels. Selbst Sterne-Hotels haben hier bereits Fuß gefasst und bezaubern vor allem durch ihre Lage, nicht selten inmitten von Reisfeldern. Zahlreiche Restaurants lassen kulinarische Genüsse mit indonesischem, chinesischem oder auch westlichem Ursprung zu. Wer auch mit dem Gaumen in der Region bleiben möchte, sollte sich „Pa’piong” nicht entgehen lassen. Die Spezialität aus Schweinefleisch (wahlweise auch Huhn oder Fisch), Zwiebeln, Knoblauch, Chilischoten und Serr’akko-Blättern wird in einem Bambusrohr gekocht und gerne zu Begräbnissen und Hochzeiten serviert. Auch diverse Büffelfleischgerichte geben ihre lokale Herkunft im typischen Aroma wieder. Achtung vor dem dazu erhältlichen Palmwein – manchmal ist er stärker als man es selbst ist!

An den Souvenirständen häufen sich Schnitzereien, Taschen, Gewand und Geldbörsen. Ja sogar Miniaturen der charakteristischen Häuser kann man nachhause mitnehmen.

Spitzenware aus biologischer Herkunft

Der Pasar Bolu, ein Markt etwa drei Kilometer außerhalb der Stadt, wird zum Nabel der Händlerwelt, wenn vor einer Kulisse aus farbenfrohem Obst und Gemüse Büffel und Schweine versteigert werden. Und überhaupt der Kaffee! Nicht umsonst zählt der „Kopi Toraja“ aus regionalen Robusta- und Arabica-Sorten zu den weltweiten Topmarken. Leichtes Süßholzaroma, Noten von Karamell, handgepflückt und handverlesen, ohne Dünger – das sind die Argumente, die für seine überragende Qualität sprechen.

Angebotene Touren durch das Gebiet führen auch an den Kaffeeplantagen und an den Reisterrassen vorbei. Überhaupt eignet sich das kühle Bergklima ideal für Wanderungen in abgelegene Dörfer und mehrtägige Trekking-Touren. Das ganze Jahr hindurch bewegen sich die Temperaturen zwischen 16 und 28 Grad. Aber auch wenn die Regenzeit von Dezember bis März dauert, muss man im Hochland ebenfalls während der Trockenzeit oft damit rechnen, von Tropfen überrascht zu werden.

Wer sich vor Wasser gar nicht scheut, ist bei Rafting-Touren auf den Flüssen Mai’ting und Sa’dang gut aufgehoben.

Aber wie kommt man nun in dieses Gebiet? Nicht gerade über den Wasserweg aber durch die Lüfte. Der Flughafen von Makassar empfängt Reisende aus Jakarta, Bali und Manado. Ein Überland-Bus sorgt dann für die weitere Verbindung. Eine Fahrt am Morgen, eine weitere am Abend. Für die Strecke Makassar-Rantepao sind zwischen acht und zehn Stunden einzuplanen. Für die kurzen Distanzen schnappen sie sich einfach ein Bemo oder einen Minibus. Mit dem Pongtiku Airport verfügt Makale zwar auch über einen Flughafen, jedoch ist dieser so winzig und veraltet, dass sein Weiterleben nicht völlig geklärt ist. Mini-Flugzeuge steuern ihn fast ausschließlich von Makassar aus an.

Auch wenn man hier allerorts über Särge und Gebeine stolpern möge, so bringt doch das blühende Leben der umgebenden Natur alles wieder ins Gleichgewicht. Der Kreislauf des Lebens zeichnet in Tana Toraja eben einfach nur seinen speziellen Verlauf.

Viel Spaß und viele Eindrücke auf Ihrer Reise nach Tana Toraja!

Tana Toraja / Indonesien
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Bekannte Informationen

Behandeln Sie die lokale Bevölkerung immer mit Respekt. Achten Sie dabei auch auf die Gewohnheiten vor Ort.

Urlauben Sie verantwortungsfreudig: Die CO2-Emission der Flugreise kann man ausbügeln, zum Beispiel bei dem Klimakompensationsanbieter atmosfair. Drosseln Sie den Bedarf an Wasser (z.B. mit kürzeren Duschgängen). Verzichten Sie auf unsinnigen Müll. Unterstützen Sie kleine Gewerbetreibende statt Großunternehmer.

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