Istanbul, Türkei
Zwei Kontinente, eine Stadt
Istanbul, die größte Stadt der Türkei, die früher Konstantinopel hieß, erstreckt sich zu beiden Seiten des Bosporus und liegt damit sowohl in Europa als auch in Asien. Wer morgens auf der europäischen Seite frühstückt und mittags in Asien einen Tee trinkt, hat hier keinen Langstreckenflug hinter sich, sondern eine Fährfahrt von wenigen Minuten. Möwen inklusive. Die Stadt verbindet jahrhundertealte Geschichte mit einem pulsierenden modernen Alltag und ist geprägt von geschäftigen Basaren, prächtigen Moscheen und lebhaften Uferpromenaden.
Die Stadt gilt aufgrund ihrer Jahrtausende alten Geschichte als eine der ältesten noch existierenden Städte der Erde und ist zugleich das kulturelle und wirtschaftliche Herz der Türkei. Der europäische Teil wird durch die Bucht des Goldenen Horns zweigeteilt: Auf der einen Seite liegt der historische Stadtkern mit Hagia Sophia, Topkapı-Palast und Blauer Moschee, auf der anderen das geschichtsträchtige Galata samt der nördlich anschließenden Viertel rund um Beyoğlu und Beşiktaş.
Istanbul ist laut, voll, süchtig machend. Es riecht nach gegrilltem Fisch, gerösteten Maroni und frisch aufgebrühtem Tee, es hupt und ruft und singt. Und mitten in diesem Getöse stehen Sie plötzlich unter der Kuppel der Hagia Sophia und sind für einen Moment sehr still.
Klima und beste Reisezeit
Es herrscht vorwiegend ein mildes, feuchtes Seeklima mit warmen Sommern und wechselhaften Wintern. Im Winter schwankt das Wetter zwischen frühlingshaft mild und Kälteeinbrüchen mit Regen oder Schnee, im Hochsommer kann es schwül und drückend werden.
Am angenehmsten reisen Sie im Frühling und im Herbst: milde Temperaturen, klare Luft, gut erträgliche Spaziergänge über Kopfsteinpflaster. Im April blühen in den Parks die Tulpen, im Herbst leuchtet der Bosporus in einem Licht, für das man eigentlich Eintritt zahlen müsste. Nehmen Sie in jeder Jahreszeit bequeme Schuhe mit. Istanbul ist eine Stadt der Hügel, und die sind steiler, als sie auf Fotos aussehen.
Geschichte und die großen Klassiker in Sultanahmet
Gegründet wurde die Stadt als Byzantion von griechischen Siedlern aus Megara. Dank der Lage an der Verbindung zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer entwickelte sich rasch ein bedeutendes Handelszentrum. Später wurde die Stadt als Konstantinopel zur Hauptstadt des Römischen Reiches im Osten, blieb im Mittelalter das Zentrum des Byzantinischen Reiches und war lange die reichste und größte Stadt Europas. Nach der osmanischen Eroberung wurde sie Hauptstadt eines Weltreichs, das sich über drei Kontinente erstreckte. Heute ziehen Istanbuls historische Bauwerke, der kosmopolitische Charme, das reiche Kulturleben und eine erstaunlich junge, kreative Szene Reisende aus aller Welt an.
Das Beste an Sultanahmet: Die Superstars stehen fast alle in Sichtweite zueinander. Sie können morgens beginnen und sich bis zum Sonnenuntergang durch anderthalb Jahrtausende Architekturgeschichte arbeiten.
Hagia Sophia (Ayasofya) ist der ehemalige byzantinische Kuppelbau, der jahrhundertelang als Kirche, dann als Moschee und später als Museum diente und heute wieder als Moschee genutzt wird. Der Besuch ist möglich, außerhalb der Gebetszeiten und mit angemessener Kleidung. Die Kuppel scheint zu schweben, die Goldmosaike glimmen im Halbdunkel.
Sultan Ahmet Camii, die weltberühmte "Blaue Moschee", liegt direkt gegenüber. Ihren Namen verdankt sie den tausenden blau-weißen İznik-Fliesen im Inneren. Sechs Minarette, ein Meer aus Halbkuppeln, ein Vorhof, in dem man gern länger sitzen bleibt.
Der Topkapı-Palast (Topkapı Sarayı) war über Jahrhunderte Residenz und Regierungssitz der Sultane. Höfe, Schatzkammer, Reliquiensaal, der separat zugängliche Harem und Aussichtsterrassen, von denen der Blick über Bosporus, Marmarameer und Goldenes Horn reicht. Planen Sie hier reichlich Zeit ein, sonst hetzen Sie durch eine der spannendsten Palastanlagen der Welt.
Ein paar Schritte weiter geht es hinunter in die Cisterna Basilica (Yerebatan Sarnıcı), den "versunkenen Palast": ein unterirdischer Säulenwald, in dem Wasser tropft und zwei Medusenköpfe kopfüber im Boden stecken. Im Freien schließen sich das antike Hippodrom (At Meydanı) mit dem Obelisken Thutmosis' III., der Slangensäule und dem deutschen Brunnen an, dazu das Museum für Türkische und Islamische Kunst mit seiner berühmten Teppichsammlung.
Byzantinisches Erbe abseits der Hauptrouten
Wer die großen Klassiker abgehakt hat, findet in Istanbul eine zweite, leisere Schicht Geschichte. Sie liegt oft in Wohnvierteln, zwischen Wäscheleinen und Teehäusern, und wird von erstaunlich wenigen Reisenden besucht.
Die spätbyzantinische Chora-Kirche (Kariye) im Viertel Edirnekapı besitzt Mosaike und Fresken von einer Zartheit, die man in einem so unscheinbaren Gebäude nicht erwartet. Ähnlich lohnend ist die Pammakaristos-Kirche (Fethiye) im Stadtteil Fatih, deren Seitenkapelle ebenfalls mit Mosaiken geschmückt ist. Die Hagia Eirene im ersten Hof des Topkapı-Palastes entging der Umwandlung in eine Moschee, wurde als Arsenal genutzt und beeindruckt heute durch ihre nüchterne, fast archaische Weite.
Vom antiken und mittelalterlichen Stadtgefüge sind weitere Spuren erhalten: das Valens-Aquädukt (Bozdoğan Kemeri), über dessen Bögen heute der Verkehr rauscht, Reste des Konstantinsforums mit dem Çemberlitaş, die mächtige Theodosianische Landmauer, die sich quer über die Halbinsel zieht, sowie Abschnitte der Seemauer am Marmarameer. Ein Spaziergang entlang der Landmauer ist kein Museumsbesuch, sondern eine kleine Expedition zwischen Gemüsegärten, Friedhöfen und Stadttoren.
Osmanische Prachtbauten, Moscheen und Paläste
So wie die christlichen Herrscher zeigten auch die osmanischen Sultane ihre Macht und ihren Glauben in Stein: in Palästen und Residenzen, in Moscheen samt der zugehörigen Stiftungskomplexe (Külliye) mit Schulen, Bädern, Suppenküchen und Grabmälern, in mehrstöckigen Handelshäusern und Herbergen, in Basaren und in reinen Schmuckbauten.
Der architektonische Höhepunkt ist für viele die Süleymaniye Camii auf einem Hügel über dem Goldenen Horn, das Meisterwerk des Baumeisters Sinan. Die Terrasse mit dem Blick über die Bucht gehört zu den schönsten Plätzen der Stadt, und der Friedhof mit den Grabmälern von Sultan Süleyman und Hürrem Sultan liegt gleich daneben.
Klein, aber verblüffend: die Rüstem Paşa Camii nahe dem Ägyptischen Basar, über eine unauffällige Treppe erreichbar und innen komplett mit prachtvollen İznik-Fliesen ausgekleidet. Ebenfalls lohnend sind die Şehzade Camii, die Nuruosmaniye Camii mit ihrem halbrunden Vorhof, die wuchtige Fatih Camii und die Eyüp Sultan Camii am oberen Goldenen Horn, das bedeutendste Pilgerziel der Stadt. Auf der asiatischen Seite prägt die İskele Camii die Uferpromenade von Üsküdar.
Vom Prunk der späten Sultanszeit erzählt der Dolmabahçe-Palast (Dolmabahçe Sarayı) direkt am Bosporus: Kristalltreppe, Kronleuchter in beeindruckender Größe und ein Zeremoniensaal, der eher nach Paris als nach Konstantinopel aussieht. Genau das war die Botschaft. Wer noch mehr Palast möchte, findet mit dem Beylerbeyi-Palast auf der asiatischen Seite und dem Yıldız-Komplex im Grünen zwei deutlich ruhigere Alternativen. Die Dolmabahçe Camii am Wasser gehört zur gleichen Anlage und ist ein beliebtes Fotomotiv von der Fähre aus.
Gut zu wissen: Moscheen sind aktive Gebetsräume. Schuhe aus, Schultern und Knie bedeckt, für Frauen ein Tuch über dem Haar, Besuche möglichst nicht während der Gebetszeiten und am Freitagmittag. Ein Schal im Rucksack erspart Ihnen einiges Improvisieren.
Museen und Kunst
Istanbul hat Museen für jede Stimmung. Das Archäologische Museum im Bereich des Topkapı-Palastes versammelt Funde aus dem gesamten östlichen Mittelmeerraum, darunter berühmte antike Sarkophage. Das Museum für Türkische und Islamische Kunst am Hippodrom zeigt Kalligrafie, Holzarbeiten und historische Teppiche.
Für moderne und zeitgenössische Kunst ist Istanbul Modern die erste Adresse, spektakulär am Wasser im Bereich des neuen Hafenquartiers Galataport gelegen. Das Pera Müzesi in Beyoğlu punktet mit orientalistischer Malerei und wechselnden Ausstellungen, das Sakıp Sabancı Müzesi in Emirgan verbindet eine herrschaftliche Villa mit Bosporusblick und ambitionierten Sonderausstellungen. Im ehemaligen Industriegebäude am Goldenen Horn erzählt das Rahmi M. Koç Müzesi von Technik, Schifffahrt und Verkehr, inklusive Oldtimern und einem U-Boot.
Viele Nebengebäude der großen Moscheen wurden in Museen umgewandelt und bieten schöne Einblicke in die osmanische Alltagskultur. Und wenn Sie einmal genug von Vitrinen haben: Die Galerienszene in Karaköy, Tophane und Beyoğlu ist lebendig, oft kostenfrei zugänglich und angenehm unprätentiös.
Basare, Handwerk und Shopping
Bei einer Istanbulreise darf der Besuch eines Basars natürlich nicht fehlen. Der Große Gedeckte Basar (Kapalı Çarşı) ist ein überdachtes Labyrinth aus Gassen, Goldschmieden, Teppichhändlern, Lampenläden und Teebuden. Verlaufen ist hier Teil des Programms, Feilschen ebenfalls. Bleiben Sie freundlich, lächeln Sie viel und nennen Sie ruhig einen deutlich niedrigeren Preis als den ersten Vorschlag. Wer partout nicht kaufen möchte, sagt höflich Nein und geht weiter, das nimmt niemand persönlich.
Der Ägyptische Basar (Mısır Çarşısı) in Eminönü ist der Gewürzbasar: Berge aus Safran, Sumach, getrockneten Feigen, Trockenfrüchten, türkischem Honig und Lokum. Rund herum, in den Gassen von Tahtakale, kaufen die Istanbuler selbst ein, und dort werden die Preise plötzlich erstaunlich zivil. Bücherfreunde schauen im Sahaflar Çarşısı, dem Bücherbasar nahe der Beyazıt-Moschee, vorbei, Souvenirjäger im kleinen Arasta Basar hinter der Blauen Moschee.
Moderner shoppen Sie auf der langen Fußgängerachse İstiklal Caddesi, in den eleganten Straßen von Nişantaşı oder in den Designläden von Karaköy. Antiquitäten und schön schrulligen Trödel finden Sie in Çukurcuma, wo sich ein Nachmittag zwischen Kupferkannen und ausgedienten Kronleuchtern sehr schnell verflüchtigt.
Der Bosporus: Fähren, Festungen und Fischbrötchen
Wenn Sie in Istanbul nur eine Sache tun, dann steigen Sie auf eine Fähre. Die städtischen Schiffe pendeln zwischen Eminönü, Karaköy, Beşiktaş, Üsküdar und Kadıköy, kosten wenig und liefern die beste Skyline-Rundfahrt der Stadt. Dazu ein Glas Tee an Bord, ein Simit für die Möwen, und der Kurzurlaub im Urlaub ist perfekt.
Längere Bosporusfahrten führen nordwärts bis in die Nähe des Schwarzen Meeres, vorbei an Holzvillen (Yalı), an den Festungen Rumeli Hisarı und Anadolu Hisarı, unter den großen Hängebrücken hindurch und an Dörfern wie Bebek, Emirgan, Kanlıca und Anadolu Kavağı. Der Leanderturm (Kız Kulesi) auf seinem Felsen vor Üsküdar gehört zu den meistfotografierten Motiven der Stadt.
In Ortaköy sitzt man am Wasser unter der Brücke, isst eine mit allem Möglichen gefüllte Ofenkartoffel (Kumpir) und schaut den Schiffen nach. In Eminönü und Karaköy gibt es das legendäre Balık Ekmek, das Fischbrötchen vom Grill, dazu ein Glas eingelegten Rübensaft für die Mutigen. Am Ufer von Arnavutköy oder Kuzguncuk wird es dann schlagartig dörflich, mit bunten Holzhäusern und Katzen, die den öffentlichen Raum souverän verwalten.
Viertel zum Flanieren
Istanbul besteht aus Dutzenden Kleinstädten, die zufällig dieselbe Postleitzahlenlogik teilen. Genau darin liegt der Reiz.
Galata und Karaköy sind der hippe Kern: der markante Galata-Turm mit Rundumblick, steile Gassen, Spezialitätenkaffee, Concept Stores, dazwischen alte Werkstätten. Oberhalb beginnt Beyoğlu mit der İstiklal Caddesi, der historischen roten Straßenbahn, den Musikläden und den Meyhane-Gassen rund um die Passage Çiçek Pasajı, in denen abends Rakı in Karaffen und Mezze in Serie serviert werden. Im benachbarten Cihangir wohnen Künstler, Journalisten und viele Katzen, alle mit exzellentem Frühstücksgeschmack.
Balat und Fener am Goldenen Horn sind die Fotogen-Viertel: pastellfarbene Häuser, steile Treppengassen, griechisch-orthodoxe und jüdische Spuren, Antiquitätenläden und Cafés in ehemaligen Kaufmannshäusern. Bringen Sie Zeit und Kondition mit, es geht ordentlich bergauf.
Auf der asiatischen Seite ist Kadıköy das Wohnzimmer der Stadt: ein wunderbarer Markt mit Fisch, Käse und Oliven, Craft-Beer-Bars, Buchläden, Plattenläden, Straßenkunst. Weiter am Wasser liegt das entspannte Moda mit Promenade und Eisbuden. Üsküdar gibt sich traditioneller und frommer, bietet dafür den vielleicht schönsten Sonnenuntergangsblick auf die europäische Silhouette. Und Beşiktaş ist jung, laut und hungrig, mit Fischmarkt, Studentenkneipen und Fußballleidenschaft.
Kulinarisches Istanbul
Man kann in Istanbul hervorragend essen, ohne je ein Restaurant zu betreten. Der Tag beginnt idealerweise mit einem türkischen Frühstück (Kahvaltı): Weißkäse, Oliven, Tomaten, Gurken, Honig mit Sahne (Kaymak), Eier in der Pfanne, frisches Brot und Tee, der nachgeschenkt wird, bis Sie kapitulieren. Besonders ausgiebig frühstückt man in Beşiktaş, Kadıköy und Cihangir.
Zwischendurch gibt es Simit, den Sesamkringel vom Handkarren, gefüllte Miesmuscheln (Midye Dolma) mit Zitrone, Lahmacun und Pide frisch aus dem Steinofen, Döner und den auf Bursa zurückgehenden İskender mit Joghurt und Butter. Mutige probieren Kokoreç, gegrillte Schafsinnereien im Brot, gewürzt mit Oregano und Chili. Zu den Klassikern der Stadt gehören außerdem Kuru Fasulye (weiße Bohnen im Tontopf), die traditionell in den Lokalen nahe der Süleymaniye-Moschee gegessen werden.
Abends lohnt eine Meyhane: Der Tisch füllt sich mit kalten und warmen Mezze, dazu gegrillter Fisch, Rakı mit Wasser und Eis, und irgendwann spielt jemand Musik. Die feinere, historisch gewachsene osmanische Küche finden Sie in Restaurants in Beyoğlu, Üsküdar und Kadıköy, mit Schmorgerichten, Auberginenpürees und Reisgerichten, die eher an Palastküche als an Urlaubsküche erinnern.
Für süße Momente: Baklava mit Pistazien, Künefe mit Käsefüllung, Lokum (türkischer Honig aus Zucker, Stärke, Pistazien, Mandeln oder Nüssen), Dondurma, das zähe Eis, das Verkäufer gern mit kleinen Showtricks überreichen, und Sütlaç, Milchreis aus dem Ofen. Getrunken wird Tee aus dem Tulpenglas, sehr starker türkischer Mokka, im Sommer Ayran und in der kalten Jahreszeit Boza, ein leicht gegorenes Getreidegetränk, das sehr gewöhnungsbedürftig und sehr istanbulisch ist. Im Winter riecht die Stadt zusätzlich nach Kestane, den gerösteten Maronen an jeder zweiten Ecke.
Hamam und andere Entschleunigung
Nach drei Tagen Stadtmarathon knirschen die Knie. Zeit für einen Hamam, das türkische Dampfbad. Sie liegen auf dem beheizten Marmorstein, dampfen vor sich hin, werden anschließend mit dem Peelinghandschuh (Kese) energisch abgerubbelt und mit einem Berg aus Seifenschaum eingehüllt. Der Tellak oder die Natır arbeitet dabei gründlich, nicht zärtlich. Danach fühlen Sie sich mindestens zwei Kleidergrößen leichter.
Historische Bäder gibt es unter anderem nahe des Großen Basars in Çemberlitaş, in Cağaloğlu und in Beyazıt. Viele arbeiten nach Geschlechtern getrennt oder mit getrennten Zeiten, Handtücher und Pestemal werden gestellt, ein Badeanzug schadet nie. Eine kleine Aufmerksamkeit für das Personal ist üblich.
Alternativ funktioniert Entschleunigung in Istanbul auch klassisch: ein Teegarten mit Blick aufs Wasser, eine Runde Backgammon (Tavla), Wasserpfeife in einem Nargile-Café oder einfach eine weitere Fährfahrt, ganz ohne Ziel.
Parks, Hügel und die besten Aussichten
Istanbul ist grüner, als sein Ruf vermuten lässt. Der Gülhane-Park unterhalb des Topkapı-Palastes ist der klassische Stadtpark mit alten Bäumen und Blick auf die Einfahrt zum Bosporus. Im Yıldız-Park oberhalb von Beşiktaş spazieren Sie durch ehemaliges Sultansgelände zu Pavillons und Teehäusern. Der Emirgan-Park am Bosporus verwandelt sich im Frühling in ein Tulpenmeer, und wer meint, Tulpen seien niederländisch, wird hier freundlich korrigiert.
Für den großen Überblick: der Çamlıca-Hügel auf der asiatischen Seite, der höchste Punkt der Stadt, mit Panorama über beide Kontinente. Romantischer ist der Pierre-Loti-Hügel über Eyüp, erreichbar mit einer kleinen Seilbahn über einen historischen Friedhof, mit Teegarten und Blick über das gesamte Goldene Horn. Sonnenuntergänge gelingen außerdem sehr zuverlässig von den Dachterrassen in Galata und von der Promenade in Üsküdar.
Wer richtig raus möchte, fährt in den Belgrader Wald (Belgrad Ormanı) im Norden: Laufstrecken, Radwege, Picknickwiesen, historische Wasserleitungen und Dämme. Am Wochenende teilen Sie den Wald mit halb Istanbul, aber das gehört dazu.
Aktiv in und um Istanbul
Die beliebteste Sportart der Stadt ist Gehen, unfreiwillig und in Serie. Wer es strukturierter möchte, findet erstaunlich viele Möglichkeiten.
Laufen und Radeln: Die Uferpromenaden von Kadıköy nach Moda, von Beşiktaş nach Bebek oder entlang des Goldenen Horns sind flach, luftig und ideal für die Morgenrunde. Der Belgrader Wald bietet Trails im Grünen. Ein sportliches Highlight ist der Istanbul-Marathon im Herbst, bei dem die Strecke über eine der Bosporusbrücken führt, also von Asien nach Europa. Ähnlich spektakulär: das traditionsreiche Bosporus-Schwimmen im Sommer, bei dem tausende Teilnehmer quer durch die Meerenge kraulen, während der Schiffsverkehr ruht.
Wassersport: Segeln und Kajakfahren sind auf dem Bosporus und im Marmarameer möglich, allerdings bitte nur mit Ortskenntnis oder Guide, denn Strömung und Berufsschifffahrt sind kein Spaßgelände. Badestrände finden Sie an der Schwarzmeerküste rund um Kilyos auf der europäischen und Şile auf der asiatischen Seite, mit Wellen, Wind und gelegentlich kräftiger Brandung.
Fußball: Istanbul lebt für seine drei großen Klubs. Ein Heimspiel von Galatasaray, Fenerbahçe oder Beşiktaş ist ein akustisches Erlebnis, das man auch als neutraler Zuschauer nicht vergisst. Tickets bekommen Sie online, die Stimmung gratis dazu.
Winter: Wenn es in der Stadt nass und grau wird, liegt in den Bergen südlich des Marmarameers Schnee. Der Uludağ oberhalb von Bursa ist das klassische Skigebiet der Region und lässt sich gut mit einer Fährfahrt kombinieren.
Ausflüge in die Umgebung
Die absolute Nummer eins unter den Tagesausflügen sind die Prinzeninseln (Adalar) im Marmarameer. Fähren fahren regelmäßig, und auf Büyükada und Heybeliada erwarten Sie autofreie Ruhe, Pinienwälder, prächtige Holzvillen, Klöster auf Hügeln und Badebuchten. Man erkundet die Inseln zu Fuß, mit dem Fahrrad oder in einem Elektrowagen. Nehmen Sie eine frühe Fähre, dann haben Sie die Uferpromenade noch fast für sich.
Polonezköy, ein von polnischen Siedlern gegründetes Dorf im Grünen auf der asiatischen Seite, ist ein beliebtes Ziel für Frühstück, Waldspaziergänge und Wurstspezialitäten. An der Schwarzmeerküste locken Şile mit Strand und Leuchtturm sowie das Fischerdorf Riva.
Etwas weiter, aber gut machbar: Bursa am Fuß des Uludağ mit der Grünen Moschee, Seidenbasar und Thermalquellen, erreichbar mit Schnellfähre über das Marmarameer. Edirne im Nordwesten beeindruckt mit der Selimiye-Moschee, einem Meisterwerk Sinans, und einer angenehm entspannten Kleinstadtatmosphäre. Für Naturfreunde bieten sich der Sapanca-See und die Wasserfälle von Maşukiye an, für Erholungssuchende die Thermalbäder rund um Yalova.
Praktische Tipps für Ihren Städtetrip
Anreise: Istanbul hat zwei Flughäfen, den großen Istanbul Airport auf der europäischen und Sabiha Gökçen auf der asiatischen Seite. Achten Sie beim Buchen darauf, welcher zu Ihrem Hotel passt, sonst beginnt der Urlaub mit einer sehr langen Taxifahrt durch sehr dichten Verkehr.
Unterwegs: Besorgen Sie sich als Erstes eine İstanbulkart. Damit fahren Sie Metro, Straßenbahn, Bus, Fähre, Funicular und Nostalgietram. Die Tram T1 verbindet die Altstadt mit Karaköy und Kabataş, die Metro erschließt die neueren Viertel, und die Marmaray-Bahn unterquert den Bosporus. Für kurze Wege sind Fähren nicht nur charmanter, sondern oft auch schneller als das Auto. Taxis nutzen Sie am besten über eine App, das erspart Diskussionen über die Route.
Etikette und Alltag: In Moscheen gilt angemessene Kleidung, im Ramadan sollten Sie in der Nähe von Gebetsstätten auf Essen und Trinken in der Öffentlichkeit verzichten. Trinkgeld von rund zehn Prozent ist in Restaurants üblich. Leitungswasser wird in der Regel nicht getrunken, Flaschenwasser gibt es überall. Ein paar Wörter Türkisch wirken Wunder: "merhaba" für Hallo, "teşekkür ederim" für Danke, "afiyet olsun" als Guten Appetit.
Timing: Reisen Sie an Wochentagen zu den großen Sehenswürdigkeiten, starten Sie früh und planen Sie nicht mehr als zwei Highlights pro Tag ein. Istanbul belohnt Langsamkeit. Wer alles abhaken will, sieht am Ende vor allem Warteschlangen und die Innenseite von Taxis.
Viel Spaß und viele Eindrücke auf Ihrer Reise nach Istanbul!
Istanbul ist keine Stadt, die man abschließt. Sie ist eine Stadt, die man sich aufteilt: diesmal die Altstadt und der Basar, nächstes Mal die asiatische Seite, das Goldene Horn und die Prinzeninseln. Spätestens beim dritten Glas Tee auf einer Fähre werden Sie merken, dass Sie schon die Rückkehr planen. Genau so ist das gedacht.
Für Fotograf:innen: Sonnenauf- und Sonnenuntergänge
| Mittwoch, 07.10.2026 | ||
|
07:06:55 |
12:51:57 ∠ 43,9° |
18:36:59 |
| Samstag, 17.10.2026 | ||
|
07:17:43 |
12:49:28 ∠ 40,1° |
18:21:14 |
| Dienstag, 27.10.2026 | ||
|
07:29:03 |
12:47:59 ∠ 36,5° |
18:06:55 |
| Freitag, 06.11.2026 | ||
|
07:40:49 |
12:47:44 ∠ 33,3° |
17:54:39 |
∠° steht für Sonnenwinkel (∠ 90° = senkrecht), °C für die Temperatur in Grad Celsius.
Ermittelte Zeitzone: Europe/Istanbul
Unterkünfte

Zum Anzeigen der besten Unterkünfte bitte Drittanbieter-Inhalte und -Cookies erlauben!
Drittanbieter-Cookies und -Inhalte für Karte mit Hotels erlauben
Destinationen zu Städteurlaub
1 EUR = 55,21 TRY (Türkische Lira)
Zuletzt aktualisiert: 06.10.2026 um 17:11 Uhr MEZ
Grundsätzliche Reiseinfos
Während eines Gesprächs behandeln Sie Einheimische immer mit einer angebrachten Wertschätzung. Nehmen Sie bitte Rücksicht auf die Gewohnheiten vor Ort.
Urlauben Sie verantwortungsfreudig: Den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß Ihres Fluges kann man ausbügeln, beispielshalber bei atmosfair mit Sitz in Deutschland. Beschränken Sie den Bedarf an Wasser (z.B. mit kürzer Abduschen). Vermeiden Sie unnötigen Einwegmüll. Befürworten Sie kleine Gewerbetreibende an Stelle von großen Unternehmen.







