
Punjab, Indien
Der nordindische Bundesstaat Punjab gehört zu jenen Regionen, die man nach der Rückreise vor allem in drei Erinnerungen abspeichert: gutes Essen, warmherzige Menschen und eine Geschichte, die an jeder Straßenecke mitredet. Wer hier unterwegs ist, erlebt Indien weniger als Postkartenmotiv und mehr als lebendigen Alltag.
Zu den wichtigsten Städten zählen Amritsar, Jalandhar, Ludhiana und Patiala. Dank eines dichten Netzes aus Zügen, Bussen und gut ausgebauten Straßen lassen sich die Ziele im Punjab erfreulich unkompliziert miteinander verbinden, selbst wenn man ohne Fahrer oder Reisegruppe unterwegs ist.
Zusammen mit den Nachbarn Haryana und Uttarakhand ergibt sich eine Reiseregion mit enormer Spannweite: von der flachen, fruchtbaren Ebene über die Planstadt Chandigarh bis hinauf in die Gletscherwelt des Himalaya. Drei Bundesstaaten, drei völlig unterschiedliche Temperamente und eine Menge Gründe, den Koffer zu packen.
Land der fünf Flüsse: Kultur und Glaube im Punjab
Der Name Punjab bedeutet so viel wie „Land der fünf Flüsse“, und das Wasser hat die Region zur Kornkammer Indiens gemacht. Weizenfelder bis zum Horizont, Traktoren mit Musikanlage, Zuckerrohr am Straßenrand: Das ist die Kulisse, in der sich das Reisen hier abspielt.
Kulturell ist der Punjab vor allem vom Sikhismus geprägt, dazu kommen starke hinduistische Traditionen. Für Besucher bedeutet das: prachtvolle Gurdwaras, in denen Pilger, Neugierige und Hungrige gleichermaßen willkommen sind. Das Prinzip der Gemeinschaftsküche, des Langar, ist eine der schönsten Einrichtungen Indiens. Man sitzt auf dem Boden, bekommt Dal und Chapati serviert und zahlt keine Rupie.
Wer sich für königliche Vergangenheit interessiert, wird bei den Palästen und Denkmälern der einstigen Fürstenstaaten fündig. Und wer das wahre Punjab sucht, sollte unbedingt einen Abstecher aufs Land machen: traditionelle Punjabi-Häuser, kleine Tempel, Büffel in Tümpeln und Gastgeber, die Sie nur sehr ungern wieder ziehen lassen.
Auswahl an Sehenswürdigkeiten in Punjab
- Der Goldene Tempel (Harmandir Sahib) in Amritsar, das spirituelle Herz des Sikhismus
- Jallianwala Bagh in Amritsar, Gedenkstätte der Kolonialgeschichte
- Die Gurdwaras und historischen Stätten von Anandpur Sahib
- Die Paläste und Denkmäler der Maharadschas von Patiala
- Die Festung Qila Mubarak in Bathinda
- Die Zeremonie am Grenzübergang Wagah zwischen Indien und Pakistan
- Der Bhakra-Staudamm am Sutlej
- Historische Stätten in Fatehgarh Sahib, Chamkaur Sahib und Sirhind
- Die königlichen Bauten von Faridkot, Nabha und Sangrur
- Archäologische Funde und alte buddhistische sowie hinduistische Stätten in Sanghol und Dholbaha
- Das Asafwala War Memorial bei der Grenzstadt Fazilka
- Chandigarh, die durchgeplante Hauptstadt mit Architektur von Le Corbusier
Amritsar: Gold, Geschichte und Grenzspektakel
Amritsar ist für die meisten Reisenden der erste und wichtigste Halt. Der Goldene Tempel liegt inmitten eines heiligen Wasserbeckens, und wer ihn zum ersten Mal im Morgenlicht sieht, während Gebetsgesänge über den Platz getragen werden, verliert kurz die Fähigkeit zum Smalltalk. Kopfbedeckung ist Pflicht, Schuhe bleiben draußen, und alle Besucher sind willkommen, unabhängig von Religion und Herkunft.
Nur wenige Gehminuten entfernt erinnert Jallianwala Bagh an ein dunkles Kapitel der Kolonialzeit. Der Kontrast zwischen stiller Gedenkstätte und dem lärmenden Basartreiben der Altstadt gehört zu den intensiven Erfahrungen dieser Stadt.
Am späten Nachmittag zieht es dann viele hinaus zur Grenze nach Wagah. Dort wird die Schließung des Grenzübergangs mit einer Zeremonie gefeiert, bei der Soldaten beider Seiten mit beachtlicher Beinarbeit und noch beachtlicherem Pathos aufmarschieren. Tribünen, Trommeln, Fahnen: Patriotismus als Bühnenshow. Man muss das nicht mögen, gesehen haben sollte man es trotzdem.
Punjabi-Küche: Butter ist keine Zutat, sondern eine Haltung
Was in Europa als „indisches Essen“ gilt, stammt zu einem großen Teil aus dieser Ecke des Subkontinents. Tandoori-Gerichte, Dal Makhani, Butter Chicken, Paneer in allen Variationen: Die Punjabi-Küche ist kräftig, cremig und angenehm frei von falscher Zurückhaltung.
Zur kalten Jahreszeit gehört Sarson ka Saag mit Makki di Roti auf den Teller, dazu ein Klecks weiße Butter. In Amritsar lohnt sich das gefüllte Kulcha aus dem Tandoor, und über eine dickflüssige Lassi im Tonbecher hat noch niemand geklagt, der bei über 40 Grad durch die Gassen gelaufen ist. Vegetarier reisen hier übrigens im Paradies: Die Auswahl ist riesig, nicht der Kompromiss.
Chandigarh: die Stadt am Zeichenbrett
Chandigarh ist der städtebauliche Sonderfall Indiens. Die Stadt wurde nach den Entwürfen des schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier als Planstadt aus dem Boden gestampft, aufgeteilt in nummerierte Sektoren, mit breiten Alleen und viel Beton in strenger Geometrie. Verwaltungstechnisch ist Chandigarh ein Unionsterritorium und gleichzeitig Hauptstadt von Punjab und Haryana, was bürokratisch kompliziert klingt und im Alltag bemerkenswert entspannt wirkt.
Sehenswert sind das Capitol Complex mit seinen markanten Regierungsbauten, der beliebte Sukhna-See und der schrullige Rock Garden, in dem ein einzelner Mann über Jahre hinweg Skulpturen aus Schutt, Scherben und Industrieabfall zusammengesetzt hat. Für viele Reisende ist Chandigarh das ideale Scharnier zwischen der Ebene und den Bergen.
Haryana, Indien
Der Bundesstaat Haryana grenzt im Norden an Punjab und Himachal Pradesh, im Südwesten an Rajasthan, und er umschließt die Hauptstadtregion Delhi von mehreren Seiten. Diese Lage hat Haryana zu einem der wirtschaftlichen Kraftzentren Indiens gemacht: Rund um Gurugram und Faridabad stehen Glastürme, IT-Firmen und Industrieparks, die mit dem Klischee vom bäuerlichen Nordindien wenig zu tun haben.
Gleichzeitig ist Haryana stolz auf ein kulturelles Erbe, das bis in vedische Zeiten zurückreicht. Die Region ist reich an Folklore, und alte religiöse wie soziale Traditionen werden weiterhin gepflegt. Meditation, Yoga und vedische Mantras gehören zum Alltag, und Feste werden mit einer Begeisterung gefeiert, die Zuschauer schnell zu Mitmachenden macht.
Kurukshetra und die Schlachtfelder der Geschichte
Das für Reisende spannendste Ziel in Haryana ist der Bezirk Kurukshetra. Hier soll die große Schlacht des Mahabharata stattgefunden haben, hier soll Krishna dem Prinzen Arjuna die Bhagavad Gita verkündet haben. Entsprechend dicht ist das Netz aus Tempeln, Badegewässern und Gedenkstätten. Das weitläufige Becken des Brahma Sarovar ist zu Festzeiten ein einziges Menschenmeer.
Auch die Neuzeit hat in Haryana ihre Spuren hinterlassen. In der Ebene von Panipat wurden mehrere Schlachten geschlagen, die den Lauf der indischen Geschichte veränderten. Museen und Denkmäler greifen das Thema auf, und wer sich für Militärgeschichte erwärmen kann, findet hier mehr Stoff als erwartet.
Haryana abseits der Durchreise
Haryana wird von Touristen leider allzu oft nur als Transitstrecke wahrgenommen, als das Stück Straße zwischen Delhi und den Bergen. Schade, denn der Bundesstaat hat durchaus eigene Argumente.
Die Pinjore Gardens (Yadavindra Gardens) unweit von Chandigarh sind eine Terrassenanlage im Mogulstil mit Wasserkanälen und schattigen Pavillons. Die nahen Morni Hills bieten einen ersten Vorgeschmack auf die Vorberge des Himalaya. Vogelfreunde zieht es ins Sultanpur National Park-Gebiet, wo sich in der kühleren Jahreszeit Zugvögel in großer Zahl versammeln.
Ein Höhepunkt für Kunsthandwerk-Fans ist die Surajkund Mela bei Faridabad, ein großes Handwerks- und Kulturfestival mit Ständen aus ganz Indien. Wer schwach wird, sollte im Gepäck vorsorglich Platz lassen.
Uttarakhand, Indien
Mit Uttarakhand beginnt der Himalaya. Der Bundesstaat im Nordosten der Region wird auch Devbhumi genannt, „Wohnsitz der Götter“, und dieser Beiname ist keine Werbefloskel: Kaum eine andere Gegend Indiens versammelt so viele bedeutende Heiligtümer auf so wenig Fläche.
Der Süden ist noch flach und warm, doch schon kurz hinter Dehradun und Haridwar schrauben sich die Straßen in Serpentinen nach oben. Oben erwarten Sie Kiefernwälder, Terrassenfelder, Gletscherbäche und Bergdörfer, in denen der Alltag ein anderes Tempo hat. Neben Pilgerreisen sind Trekking, Rafting und Tierbeobachtung die großen Themen.
Char Dham: die vier Stätten im Hochgebirge
Yamunotri und Gangotri, die heiligen Quellgebiete von Yamuna und Ganges, bilden gemeinsam mit Badrinath (Vishnu) und Kedarnath (Shiva) die Char Dham von Uttarakhand, eine der wichtigsten Pilgerrouten des Hinduismus. Jahr für Jahr machen sich unzählige Gläubige auf den Weg in diese Hochtäler.
Die Tempel sind nur in der schneefreien Jahreszeit zugänglich, grob gesagt vom Frühsommer bis in den Herbst. Zu Kedarnath und Yamunotri führt der letzte Abschnitt zu Fuß, zu Pferd oder per Sänfte. Rechnen Sie mit dünner Luft, langen Fahrtagen und einer Atmosphäre, die auch nicht-religiöse Reisende erstaunlich leicht in ihren Bann zieht. Wer zur Hochsaison anreist, sollte Geduld im Handgepäck haben: Die Straßen sind schmal, die Menschenmengen nicht.
Haridwar und Rishikesh am Ganges
Haridwar ist einer der Orte, an denen der Ganges die Berge verlässt und in die Ebene tritt. An den Badetreppen von Har Ki Pauri findet am Abend die Ganga Aarti statt, ein Lichterritual mit Glocken, Gesang und schwimmenden Blumenschalen. Wer auf der Suche nach einem Moment ist, der sich einprägt, wird ihn hier mit hoher Wahrscheinlichkeit finden.
Flussaufwärts liegt Rishikesh, weltweit bekannt als Yoga-Hochburg und seit dem Besuch einer sehr berühmten britischen Band endgültig im westlichen Bewusstsein verankert. Neben Ashrams und Meditationskursen gibt es hier auch die sportliche Variante der Ganges-Begegnung: Wildwasser-Rafting durch die Stromschnellen. Alkohol und Fleisch sind in beiden Städten tabu, was den Aufenthalt erstaunlich ruhig macht.
Tiger, Elefanten und ein Tal voller Blumen
Abenteurer und Naturliebhaber kommen im Corbett Nationalpark und dem angrenzenden Sonanadi-Schutzgebiet auf ihre Kosten. Zusammen bilden diese Gebiete das Corbett Tiger Reserve, in dem Tiger, Leoparden und wilde Elefanten leben, dazu Hirsche, Krokodile und eine beeindruckende Vogelwelt. Garantien gibt die Natur keine, aber die Pirschfahrten im offenen Jeep durch Salwälder und Flussbetten sind auch ohne Tigersichtung ein Erlebnis. Die Zonen des Parks werden über ein Genehmigungssystem verwaltet, weshalb eine frühzeitige Buchung sinnvoll ist. In der Monsunzeit bleiben Teile des Parks geschlossen.
Hoch im Norden liegt das Tal der Blumen, das gemeinsam mit dem Nanda-Devi-Nationalpark zum UNESCO-Welterbe gehört. Nach dem Monsun verwandelt sich die Hochalm in einen Blütenteppich, den man sich zu Fuß erarbeiten muss. Die Besteigung des Berges Nanda Devi selbst, einer der höchsten Gipfel Indiens, ist aus Naturschutzgründen untersagt. Für Bergsteiger und Trekkingfreunde bleiben in Uttarakhand dennoch genug lohnende Ziele, etwa die Wege nach Roopkund, zur Har Ki Dun oder zum Gangotri-Gletscher.
Bergstationen mit Kolonialcharme
Als die britische Kolonialverwaltung der Sommerhitze der Ebene entkommen wollte, entstanden in den Vorbergen die sogenannten Hill Stations. Mussoorie thront über dem Doon-Tal und wird liebevoll „Königin der Berge“ genannt. Nainital gruppiert sich um einen mandelförmigen See, auf dem heute Ruderboote kreuzen. Ranikhet und Almora sind ruhiger und bieten bei klarer Luft Blicke auf die Schneegipfel.
Wintersportfreunde finden in Auli Pisten mit Panoramablick, inklusive Seilbahn. Und wer einfach nur mit einer Tasse Tee auf einer Veranda sitzen und Gipfel zählen möchte, ist in dieser Ecke Indiens genau richtig.
Beste Reisezeit und praktische Hinweise
In der Ebene von Punjab und Haryana sind die Sommer heiß, und zwar richtig heiß. Der Monsun bringt ab dem Frühsommer Regen und hohe Luftfeuchtigkeit, danach folgt die angenehme Zeit: Von Oktober bis März reist man hier am komfortabelsten, muss im tiefen Winter allerdings mit kühlen Nächten und morgendlichem Nebel rechnen, der gelegentlich Flüge und Züge verzögert.
In den Bergen von Uttarakhand dreht sich das Bild. Dort sind die Sommermonate die schönste Reisezeit, während im Winter die höheren Lagen unter Schnee verschwinden und Pässe gesperrt sind. Die Monsunzeit sollte man im Gebirge meiden, weil Erdrutsche Straßen blockieren können.
Für Tempel und Gurdwaras gilt: Schultern und Knie bedeckt, Schuhe aus, Kopf bedeckt. Ein leichtes Tuch im Tagesrucksack löst die meisten Kleiderfragen. Die Anreise erfolgt meist über Delhi, von dort geht es mit Zug, Bus, Inlandsflug oder Mietwagen mit Fahrer weiter. Und noch ein Tipp: Planen Sie im Gebirge grundzügig mehr Zeit ein, als die Kilometerangaben vermuten lassen. Kurven kennen keine Eile.
Viel Freude bei Ihrer Reise durch Punjab, Haryana und Uttarakhand!
Ob Sie dem Gesang im Goldenen Tempel lauschen, sich in Haryana durch Geschichte und Handwerk arbeiten oder in Uttarakhand den Gipfeln entgegenlaufen: Diese drei Bundesstaaten belohnen Neugierige. Und falls Sie am Ende ein Kilo mehr mit nach Hause bringen, schieben Sie es einfach auf die Butter.
Unterkünfte

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1 EUR = 108,14 INR (Indische Rupie)
Zuletzt aktualisiert: 06.10.2026 um 16:16 Uhr MEZ
Beiläufige Infos zu Fernreisen
Behandeln Sie die Bewohner vor Ort stets mit dem nötigen Respekt. Beachten Sie dabei bitte ebenfalls landestypische Gebräuche.
Urlauben Sie anständig: Den CO2-Ausstoß des Fluges können Sie kompensieren, zum Beispiel bei atmosfair mit Sitz in Deutschland. Beschränken Sie den Bedarf an Wasser (z.B. mit weniger Duschen). Dezimieren Sie beim Shopping entbehrlichen Verpackungsmüll. Supporten Sie kleine Händler anstatt Großkonzerne.


























