Khajuraho, Indien
Mitten im Herzen Indiens, im Osten von Madhya Pradesh, liegt ein Ort, der auf den ersten Blick nicht viel hermacht und auf den zweiten Blick einfach sprachlos macht. Khajuraho ist eine beschauliche Kleinstadt, die sich nie durch Wolkenkratzer oder Großstadttrubel hervorgetan hat. Ihre Berühmtheit verdankt sie stattdessen einer Handvoll jahrhundertealter Tempel, die zu den kunstvollsten Bauwerken ganz Asiens zählen.
Das Klima hier ist typisch kontinental-tropisch: glühend heiße Sommer, in denen man sich nach jedem Fleckchen Schatten sehnt, und angenehm milde Winter, die sich hervorragend für ausgedehnte Tempelspaziergänge eignen. Wer clever plant, legt seinen Besuch in die kühlere Jahreszeit, Ihr Kreislauf wird es Ihnen danken.
Von einst zahlreichen Tempeln, errichtet während der Blütezeit der Chandela-Dynastie, haben rund zwei Dutzend die Jahrhunderte überdauert. Was dem Zahn der Zeit standgehalten hat, gehört zum Eindrucksvollsten, was indische Sakralarchitektur zu bieten hat. Kein Wunder, dass die UNESCO die Tempelanlage von Khajuraho zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Drei Tempelgruppen, ein gemeinsames Meisterwerk
Die Tempel von Khajuraho gliedern sich geografisch in drei Gruppen: die westliche, die östliche und die südliche. Die westliche Gruppe gilt zu Recht als die prächtigste und umfangreichste, hier reihen sich die meisten und größten Bauwerke aneinander. Die südliche Gruppe fällt bescheidener aus, punktet aber mit Ruhe, wenn es anderswo etwas trubeliger zugeht.
Bemerkenswert ist, dass hier gleich drei Glaubensrichtungen unter einem Dach vereint wurden: Shivaiten, Vishnuiten und Anhänger des Jainismus errichteten ihre Heiligtümer Seite an Seite. Trotz unterschiedlicher Götterwelten ähneln sich die Bauten in Stil und Machart erstaunlich stark, was Khajuraho architektonisch zu einem echten Unikat macht.
Der Kandariya Mahadev, die Krone der Anlage
Der unangefochtene Star unter den Tempeln ist der Kandariya Mahadev, Teil der westlichen Gruppe und zugleich das größte Bauwerk der gesamten Anlage. Sein Turm ragt hoch in den Himmel und wird von zahlreichen kleineren Türmchen begleitet, die wie eine steinerne Bergkette wirken. Wer davorsteht, versteht schnell, warum Superlative hier keine Übertreibung sind.
Im Inneren wie am Äußeren des Tempels wimmelt es von Verzierungen: verschlungene Liebespaare, himmlische Tänzerinnen, mythische Wesen und natürlich Gottheiten in allen erdenklichen Posen. Die Decken der Tempelhallen sind mit filigranen Steinschnitzereien überzogen, die Säulen zeigen verspielte Figuren von Zwergen und jungen Frauen. Man könnte Stunden damit verbringen, einfach nur den Kopf in den Nacken zu legen und zu staunen.
Liebe, Kunst und ein bisschen Schamröte
Weltberühmt und ein bisschen berüchtigt ist Khajuraho für seine erotischen Skulpturen. Tausende Figuren zieren die Tempelwände, viele davon zeigen explizite Liebesszenen zwischen Paaren. Wer jetzt kichern muss: Für die Erbauer war das keine Frivolität, sondern tiefe Symbolik. Im Hinduismus gilt die Vereinigung von Mann und Frau als Sinnbild für die Schöpfung selbst, für das große kosmische Zusammenspiel, aus dem die Welt entsteht.
Die Kunstfertigkeit, mit der diese Szenen in Stein gemeißelt wurden, sucht ihresgleichen. Jedes Detail, von der Frisur bis zur Fußstellung, wurde mit einer Präzision gearbeitet, die man modernen Bildhauern kaum zutrauen würde. Ein Besuch in Khajuraho ist also weit mehr als ein Ausflug ins Pikante, es ist eine Lektion in indischer Philosophie, in Stein gehauen.
Mehr als Tempel: Museum, Tanz und Handwerk
Wer glaubt, mit den Tempeln sei das kulturelle Programm Khajurahos erschöpft, irrt. Das Adivart Tribal and Folk Art Museum gewährt spannende Einblicke in die Lebensweise und Traditionen der indigenen Volksgruppen, die in der Region rund um Khajuraho zu Hause sind. Handgefertigte Masken, Textilien und Alltagsgegenstände erzählen Geschichten, die man in keinem Reiseführer findet.
Kulturinteressierte sollten sich außerdem das Khajuraho Dance Festival nicht entgehen lassen. Alljährlich verwandelt sich die Tempelanlage in eine spektakuläre Bühne, auf der klassische indische Tanzstile wie Kathak, Bharatanatyam oder Odissi vor der beeindruckenden Kulisse der jahrhundertealten Bauwerke aufgeführt werden. Tanz und Steinkunst verschmelzen hier zu einem Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Praktische Tipps für Ihre Reise
Ein paar Dinge sollten Sie für Ihren Besuch einplanen. Khajuraho liegt abseits der ganz großen touristischen Trampelpfade Indiens, was den Charme des Ortes ausmacht, aber auch bedeutet, dass man sich die Anreise gut überlegen sollte. Ein Flughafen sowie ein Bahnanschluss verbinden die Stadt mit größeren Zentren wie Delhi oder Varanasi.
Für den Rundgang durch die Tempelanlage empfiehlt sich bequemes Schuhwerk, da Sie einiges an Wegstrecke zwischen den einzelnen Bauwerken zurücklegen. Ein lokaler Guide lohnt sich fast immer, denn die Symbolik der Skulpturen erschließt sich nicht auf den ersten Blick und macht mit fachkundiger Erklärung gleich doppelt so viel Spaß.
Abends verwandelt sich die westliche Tempelgruppe zudem in den Schauplatz einer Licht- und Tonshow, bei der Geschichte und Mythologie Khajurahos audiovisuell aufbereitet werden. Ein stimmungsvoller Ausklang für einen Tag voller Steinkunst.
Ausflug ins Tigerreich: Panna Nationalpark
Wer nach so viel Kultur ein wenig Wildnis braucht, findet in der Nähe von Khajuraho ein lohnendes Gegenprogramm: den Panna Nationalpark. Das Schutzgebiet ist Heimat von Tigern, Leoparden und einer beeindruckenden Vogelwelt und lässt sich wunderbar mit einer Safari erkunden. Die Kombination aus jahrhundertealter Tempelkunst am Vormittag und wilder Natur am Nachmittag macht Khajuraho zu einem Reiseziel mit echtem Doppelnutzen.
Viel Spaß und viele Eindrücke auf Ihrer Reise nach Khajuraho!Für Fotograf:innen: Sonnenauf- und Sonnenuntergänge
| Mittwoch, 07.10.2026 | ||
|
06:04:42 |
11:58:11 ∠ 60,0° |
17:51:41 |
| Samstag, 17.10.2026 | ||
|
06:09:15 |
11:55:42 ∠ 56,3° |
17:42:09 |
| Dienstag, 27.10.2026 | ||
|
06:14:30 |
11:54:12 ∠ 52,7° |
17:33:54 |
| Freitag, 06.11.2026 | ||
|
06:20:31 |
11:53:55 ∠ 49,4° |
17:27:20 |
∠° steht für Sonnenwinkel (∠ 90° = senkrecht), °C für die Temperatur in Grad Celsius.
Ermittelte Zeitzone: Asia/Kolkata
Unterkünfte

Zum Anzeigen der besten Unterkünfte bitte Drittanbieter-Inhalte und -Cookies erlauben!
Drittanbieter-Cookies und -Inhalte für Karte mit Hotels erlauben
Destinationen zu Madhya Pradesh
Alle Regionen in Indien
1 EUR = 108,14 INR (Indische Rupie)
Zuletzt aktualisiert: 06.10.2026 um 16:16 Uhr MEZ
Grundsätzliche Reiseinfos
Im Gespräch behandeln Sie die lokale Bevölkerung immerzu mit angemessenem Respekt. Achten Sie dabei auch auf regionale Traditionen.
Reisen Sie verantwortungsbewusst: Den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß Ihres Fluges kann man ausbügeln, etwa bei myclimate aus der Schweiz. Mindern Sie den Verbrauch von Wasser (z.B. mit kürzeren Duschgängen). Vermeiden Sie entbehrlichen Plastikmüll. Befürworten Sie kleinere Familienunternehmen anstatt Großkonzerne.
























